Austria Tabak warnt vor gefälschten Zigaretten

27. Juli 2006, 14:18
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Vermehrt kommen auch nach Österreich gefälschte Zigaretten, warnt die Austria Tabak - mit erheblich höherem Teer- und Kohlenmonoxidgehalt

Wien - Die zum britischen Gallaher-Konzern gehörende ehemals staatliche Austria Tabak (AT) hat auf die gesundheitlichen Risken durch die zunehmend auch nach Österreich kommenden gefälschten Zigaretten hingewiesen. Bis zu "160 Prozent mehr Teer, 80 Prozent mehr Nikotin, 133 Prozent mehr Kohlenmonoxid und auch Anteile von Arsen" seien in den Fälschungen enthalten, warnte AT-Geschäftsführer Stefan Fitz am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Der Großteil der Fälschungen komme aus der Volksrepublik China.

Dass auch "legale" Zigaretten nicht gerade gesundheitsfördernd sind, lässt Fitz als Einwand nicht gelten: Da gebe es schon einen "gewaltigen Unterschied", sagte er. "In einer normalen Zigarettenfabrik ist alles so rein, dass sie vom Boden essen können. In den illegalen Fabriken in China wird das, was am Boden liegt, zusammengekehrt und in die Zigaretten getan."

Internationale Produktfälschungen sind neu

Allein im heurigen Jahr haben die Behörden drei Container mit gefälschten Memphis-Zigaretten beschlagnahmt und erst vor zwei Wochen war eine illegale Fabrik in Salzburg aufgeflogen. Während es am heimischen Markt den Schmuggel schon immer gegeben hat, "sind die internationalen Produktfälschungen bei uns ein neues Phänomen", sagte Fitz.

Von den 17 Millliarden "Glimmstängeln", die jährlich in Österreich geraucht werden, sind 3,6 Milliarden nicht legal versteuert - größtenteils geschmuggelt. Welcher Anteil davon auf "counterfeits" entfällt, lässt sich laut AT nicht feststellen. Von 2004 auf 2005 ist die Anzahl der geschmuggelten Zigaretten um 40 Prozent angestiegen.

Wien und Burgenland an der Spitze

Den höchsten Anteil von geschmuggelten Zigaretten weisen Wien (23,4 Prozent) und das Burgenland (23,1 Prozent) auf, den geringsten Vorarlberg (11,6 Prozent) und Salzburg (10,2 Prozent). Der Österreichschnitt beläuft sich auf 18 Prozent. Das heißt: Fast jede fünf Zigarette ist geschmuggelt und/oder gefälscht.

Nach Schätzungen der Tabaktrafikanten entgehen dem Staat durch den Schmuggel rund 400 Mio. Euro Steuern jährlich. Die Margen in dem Geschäft sind durchaus beträchtlich: Während in der Ukraine ein ("echtes", legal gekauftes) Päckchen Marlboro 80 Cent kostet, berappt man in Österreich 3,70 Euro dafür. Etwa drei Viertel des offiziellen österreichischen Verkaufspreises kassiert der Staat (Tabaksteuer, Mehrwertsteuer).

Verkauf vor fünf Jahren

Austria Tabak ist vor beinahe vor genau fünf Jahren an den heute weltweit fünftgrößten Tabakkonzern verkauft worden. Gallaher hat dafür damals insgesamt 2,2 Mrd. Euro an 41-Prozenteigentümer ÖIAG und die Streubesitzaktionäre gezahlt. Das Unternehmen beschäftigt trotz der Schließung zweier Standorte heute wie damals 1.300 Personen, investiert nach Angaben vom Donnerstag in Österreich aber mehr als das Doppelte der "alten" AT , nämlich 22 Mio. Euro.

Austria Tabak/Gallaher Europe steuert heute aus Österreich Ost- und Südosteuropa sowie die Türkei. Regionale Umsatzzahlen werden mit einer börserechtlichen Begründung keine bekannt gegeben - der "Preiskrieg" zu Anfang des Jahres hat sich laut einer Reuters-Meldung aber nachteilig auf die heimischen Umsätze ausgewirkt. Die Eröffnung eines EU-Verfahrens gegen Österreich wegen der seit Mai geltenden Mindestpreise wollte Fitz inhaltlich nicht kommentieren; er sagte lediglich, es gebe derlei Regelungen auch in anderen EU-Ländern. (APA)

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    Von den 17 Millliarden "Glimmstängeln", die jährlich in Österreich geraucht werden, sind 3,6 Milliarden nicht legal versteuert.

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