Wüstenameisen "zählen" ihre Schritte

11. Juli 2006, 15:25
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Studie: Hervorragende Orientierung der Tiere dank "Schrittmesser" und "Kompass"

Zürich - Eine spezielle Art der Wüstenameise orientiert sich in den getrockneten Salzseen der Sahara mit einem Kompass und einem Entfernungsmesser. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Universität Zürich zählen die Ameisen ihre Schritte und orientieren sich am Himmel.

Auf der Jagd nach Beute gehen die Hochgeschwindigkeits-Wüstenameisen der Art Cataglyphis oft mehr als hundert Meter weit über strukturloses Wüstengelände, um dann geradlinig auf dem kürzesten Weg zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren. Auf menschliche Dimensionen übertragen hieße dies, nach 50 Kilometern Hin- und Herlaufen in der Wüste ohne technische Hilfsmittel in Sekundenschnelle die Richtung und Entfernung zum Startpunkt angeben zu können.

Orientierung

Für die Orientierung benötigen die Wüstenameisen einen Kompass, um die eingeschlagenen Richtungen zu messen. Außerdem benötigen sie einen Entfernungsmesser, um die zurückgelegten Distanzen zu messen. Wie das Zoologische Institut in seiner Feldstation im tunesischen Mahares und im Zürcher Labor zeigen konnte, bedient sich der Kompass eines für uns Menschen unsichtbaren Lichtphänomens am Himmel, das sich als Polarisationsmuster großflächig über die ganze Himmelshalbkugel spannt.

Ein Team aus Zürcher und Ulmer Biologen konnte zudem nachweisen, dass die Cataglyphis die Länge zurückgelegter Strecken über die Integration der Schritte misst, die sie beim Lauf ausführt, also gewissermaßen Schritte zählt. Den Wüstenameisen wurde bei Versuchen vor dem Zurücklaufen von einer Futterstelle zum Nest die Beinlänge operativ verändert. Die Beine wurden künstlich verlängert oder verkürzt. Dabei zeigte sich, dass die manipulierten Tiere die Rücklaufdistanz über- beziehungsweise unterschätzten und dies genau um den Betrag der veränderten Schrittlänge. Laut der Universität Zürich wollen die Autoren nun untersuchen, wie die Schrittzahl sinnesphysiologisch gemessen und neurophysiologisch verrechnet wird. Die Forschungen könnten für die Entwicklung technischer Navigationssysteme von Bedeutung sein. (APA/AP)

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