Musikdownloads übers Handy als Wachstumsmarkt

27. Juli 2006, 14:27
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2005 wurden in Österreich mit 4,2 Millionen digitalen Downloads 6,7 Millionen Euro Umsatz erzielt, zwei Drittel davon übers Handy

Wien - Musikdownloads übers Handy entwickeln sich auch in Österreich zunehmend zu einem Wachstumsmarkt. Mit 4,2 Mio. legal verkauften digitalen Songs wurde in Österreich 2005 ein Umsatz von 6,7 Mio. Euro erzielt, zwei Drittel über Handys. Mit einer Reihe von neuen Musikhandys will der taiwanesische Elektronik-Konzern BenQ, der im Vorjahr die Siemens-Handysparte übernommen hat, an dieser Entwicklung nun kräftig mitnaschen.

Die 4,2 Mio. Downloads bzw. 6,7 Mio. Euro Umsatz entsprechen allerdings erst 3 Prozent des 230 Mio. Euro schweren österreichischen Musikmarktes. Weltweit liege dieser Anteil bereits bei 6 Prozent, in Österreich bestehe daher noch großes Wachstumspotenzial, sagte der Geschäftsführer der auf Musikbusiness spezialisierten Firma Overtones, Albert Manzinger, am Donnerstag in Wien bei einer Pressekonferenz.

Über dem Durchschnitt

Über dem weltweiten Durchschnitt liegt Österreich hingegen - dank der großen Handydichte und dem Abheben des Online-Musikgeschäft iTunes von Apple - bei den mobilen Downloads. Zwei Drittel der 4,2 Mio. Songs wurden im Vorjahr übers Handy verkauft, ein Drittel über Online-Portale. Der weltweite Anteil der mobilen Downloads liege erst bei 40 Prozent, so Manzinger.

2004 waren noch 900.000 digitale Songs in Österreich legal verkauft worden, 2005 hat sich die Zahl auf 4,2 Mio. damit mehr als vervierfacht. Beim Umsatz wurde eine Steigerung von 1,6 Mio. Euro um 319 Prozent auf 6,7 Mio. Euro erzielt. Der Schwarzmarkt dürfte in etwa ebenso groß sein, schätzt Manzinger. Die überwiegende Mehrheit der verkauften digitalen Songs sind allerdings noch Handy-Klingeltöne, der Rest sind vor allem Einzeltitel, nicht jedoch ganze Alben. Der Absatz von Singles im herkömmlichen Handel ging in Österreich hingegen von 7 auf 6 Mio. Euro zurück.

Weltweit stieg der Umsatz mit digitaler Musik über Handys und Online-Portale 2005 von 380 Mio. auf 1,1 Mrd. Dollar (875 Mio. Euro), berichtete Manzinger weiter. 40 Prozent der digitalen Einnahmen wurden bereits übers Handy generiert. 2011 würden in Europa den Prognosen von Jupiter Research zufolge 37,4 Mio. Endkonsumenten mehr als 1,6 Mrd. Euro für digitale Musik ausgeben. 2010 sollen 16 Prozent der Musikausgaben auf digitale Kanäle entfallen, die einen massiven Wachstumstreiber für die Musikindustrie darstellen.

Neue Handelsstrukturen

"Es werden sich neue Handelsstrukturen entwickeln, die Musikportale der Handynetzbetreiber werden erhebliche Umsätze generieren", meint Manzinger. Voraussetzungen für den Erfolg der digitalen Musik seien aber der Schutz der Urheberrechte, der Kampf gegen die Piraterie und eine enge Zusammenarbeit zwischen Handyherstellern, Mobilfunkbetreibern und Musikindustrie.

Jedes dritte in Österreich verkaufte Handy hat bereits einen MP3-Player integriert, in Kürze wird es jedes zweite sein, prognostizierte BenQ Mobile CEE-Geschäftsführer Gerhard Perschy. Mit einem neuen Musikkonzept unter dem Namen "Q-fi" wolle BenQ seinen "kompromisslosen Zugang zu Musik" unterstreichen. Der Zugang zu Musik am Handy müsse einfach sein, sonst würden die Dienste nicht genützt. BenQ hat heute drei neue Musikhandys - u.a. mit speziellen Musiktasten - vorgestellt.

Der weltweit größte mobile Musikmarkt ist derzeit laut Overtones Japan mit 211 Mio. Dollar Umsatz in diesem Segment. Größter Musikmarkt generell sind die USA, gefolgt von Japan. Weltweit gibt es derzeit bereits 335 legale Musikdownload-Portale. (APA)

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