Finanzplatz-Studie: Frankfurt hinter London

11. Juli 2006, 13:51
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Main-Metropole könnte mittelfristig Paris überrunden - Fusion zwischen Deutscher Börse und Euronext könnte Frankfurt schaden

Frankfurt/Main (APA/dpa) - Frankfurt fällt als Finanzplatz in Europa weit hinter London zurück, liegt aber gleichauf mit Paris. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Donnerstag in Frankfurt vorgestellt wurde. Die Mainmetropole hat gegenüber den beiden europäischen Hauptstädten Vorteile bei Standortfaktoren wie niedrigere Mieten und kürzere Verkehrswege. Paris liegt jedoch in der Forschung und als Bankenplatz noch vor Frankfurt. In der deutschen Großstadt haben nur sieben der 100 größten europäischen Banken ihren Sitz.

Mittelfristig habe Frankfurt aber "gute Chancen", Paris zu überrunden, sagte die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud. Dazu müssten die Investitionen in Forschung und Wissenschaft gesteigert und die Eigenvermarktung des Standorts verbessert werden. "Die ist bei uns noch Kraut und Rüben", meinte Traud. Außerdem plädieren die Autoren für einen kompletten Umzug der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) von Bonn nach Frankfurt. An der Studie arbeiteten neben der HA Hessen Agentur und der Helaba auch die Goethe-Universität und die HfB Business School of Finance & Management mit.

Börseninfrastruktur als Standortfaktor

Die Börseninfrastruktur ist gemäß der Untersuchung ein maßgeblicher Standortfaktor für einen Finanzplatz. Eine Fusion zwischen der Deutschen Börse und der Vierländerbörse Euronext könnte demnach Frankfurt schaden. Die Alleinstellung der Deutschen Börse sei einem europäischen Modell, bei dem Kernfunktionen abgegeben würden, "deutlich vorzuziehen", betonte Helaba-Vorstandschef Günther Merl. Damit ging der Top-Banker weiter als der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), der einen Zusammenschluss grundsätzlich begrüßt, der Deutschen Börse jedoch vorwirft, sich in den Verhandlungen mit Euronext auf zu weit reichende Zugeständnisse eingelassen zu haben.

Anziehungskraft für neue Jobs

Koch hatte am Mittwoch erklärt, dass Frankfurt den Vergleich mit Paris und London nicht zu scheuen brauche. Angesichts des drastischen Stellenabbaus beim Versicherungskonzern Allianz und seiner Tochter Dresdner Bank in der Stadt müssten die Rahmenbedingungen so günstig gestaltet werden, dass der Standort "genug Anziehungskraft" für neue Jobs aufweise. Politiker und Vertreter der Finanzwirtschaft unterstrichen in den vergangenen Tagen außerdem die Bedeutung von so genannten Real Estate Investment Trusts (REITs) - börsennotierten Immobilienfonds - für den Standort Frankfurt und Deutschland. Die Einführung von REITs, die es in anderen Ländern bereits gibt, könnte ab 2007 per Gesetz ermöglicht werden, stößt aber in Teilen der SPD noch auf Ablehnung. Kritiker befürchten Nachteile für Mieter. (APA)

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    In Frankfurt haben nur sieben der 100 größten europäischen Banken ihren Sitz.

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