Thema Balkan-Kriege: Handke kann's nicht lassen

30. Juni 2006, 13:29
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Autor: Milosevic hätte von Srebrenica-Massaker nichts gewusst, sein Tod wäre billigend in Kauf genommen worden, und den Krieg hätten Slowenen begonnen

Zagreb - Der im niederländischen Sondergefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals verstorbene jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic hatte nach Auffassung des österreichischen Schriftstellers Peter Handke keine Verantwortung für das von bosnisch-serbischen Militärs angerichtete Massaker an rund 8000 muslimischen Bosniaken in Srebrenica 1995 getragen. Milosevic habe auch keine Kenntnis davon gehabt, sagte Handke laut einem Bericht in der neuesten Ausgabe der kroatischen Wochenzeitung "Globus". In früheren Interviews hatte Peter Handke das Srebrenica-Massaker als "scheußlich" und als "größtes Töten seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet.

Slowenien, Dubrovnik

In dem "Globus"-Interview vertrat Handke die Meinung, nicht Milosevic habe den Krieg im ehemaligen Jugoslawien begonnen, sondern es seien die Slowenen gewesen. Zu den serbischen Artillerieangriffen auf die historische kroatische Adriastadt Dubrovnik im Herbst 1991 bemerkte er: "Ich denke, dass Dubrovnik nicht angriffen wurde, und falls es doch angegriffen wurde, dann nicht das Zentrum, nicht die Altstadt." Gerade in der Altstadt von Dubrovnik, von der Erziehungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen (UNESCO) zum Weltkulturerbe erklärt, hatten serbische Granaten großen Schaden angerichtet und mehrere Menschen getötet.

"Ewige Schande"

Handke glaubt außerdem, dass das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag den Tod Milosevics "billigend in Kauf genommen" habe. Das sei eine "ewige Schande" für das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. "Man hat ihn einfach krank werden und immer kranker werden lassen. Man hat - wie das im Strafgesetzbuch steht - seinen Tod billigend in Kauf genommen", sagte Handke in einem Gespräch mit dem Fernsehsender 3sat, das am Samstagabend (19.05 Uhr) in der Sendung "Kulturzeit" ausgestrahlt werden soll. (APA/dpa)

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