Dramatische Entwicklung am heimischen Lehrstellenmarkt

29. Juni 2006, 15:47
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Verstärkte Aktivitäten für die Unterbringung der Schulabgänger am Arbeitsmarkt fordert der ÖGB - Mehr als 100.000 Jugendliche auf der Suche nach einer weiterführenden Ausbildung

Wien - Verstärkte Aktivitäten für die Unterbringung der Schulabgänger am Arbeitsmarkt fordert der ÖGB in einem Donnerstag vom Bundesvorstand beschlossenen Forderungsprogramm an die künftige Regierung. Die Situation für Österreichs Jugendliche werde "zunehmend dramatischer". Mit Ende des Schuljahres werde die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle von bisher 16.359 um weitere 10.000 wachsen. "Diese Lücke gilt es aktivst zu bekämpfen", so Hundstorfer in einer Pressekonferenz.

Zwar seien Aktivitäten - wie das Blum-Programm - gesetzt worden, "aber sie greifen nicht ausreichend", betonte der ÖGB-Präsident. Er forderte die Wirtschaft und den Staat zu verstärkten Anstrengungen auf, um die Lehrstellen zu schaffen oder die Jugendlichen in Stiftungen oder Schulungsmaßnahmen unterzubringen.

Auf der Suche

In einer Aussendung nannte Hundstorfer detaillierte Zahlen: "Nicht nur, dass sich von 2001 bis 2006 die Lehrstellenlücke täglich um fast vier fehlende Plätze vergrößert hat, werden Ende Juni weitere 50.000 Jugendliche auf der Suche nach einer Lehrstelle im Betrieb sein."

101.039 Jugendliche beenden Ende Juni ihre Schulpflicht und sind auf der Suche nach einer weiterführenden Ausbildung. Davon werden an die 50.000 Jugendliche ihre Berufsausbildung in Form einer Lehre fortsetzen wollen. An die 40.000 werden nach Schätzungen tatsächlich als Lehrlinge in Betrieben aufgenommen. Mindestens 10.000 werden daher heuer wieder keine Lehrstelle im Betrieb bekommen, so Hundsdorfer. Dazu kommen 16.359 Jugendliche, die schon jetzt keine Lehrstelle im Betrieb haben und natürlich auch weiter suchen.

Größere Lücke

Während Ende Mai 2001 noch 5.449 Lehrstellen fehlten, vergrößerte sich die Lücke bis Ende Mai 2006 auf 12.716 Stellen. Die Zahl der offenen Lehrstellen steigt zwar wieder leicht. Stellt man jedoch die Zahl der Lehrstellen Suchenden gegenüber werde schnell klar, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei so der ÖGB-Chef. Ursache für das Wachsen der Lehrstellenlücke sei, dass die Wirtschaft immer weniger Lehrlinge ausbilde. Die Zahl der Lehrplätze im Betrieb sei von 145.516 im Jahr 1990, auf 126.600 im Jahr 2000 und auf 122.378 im Jahr 2005 gesunken. Seit dem Jahr 2000 gingen täglich zwei Lehrplätze verloren.

Auch die Ausbildungs- und Arbeitsmarktlage für Österreichs Jugendliche bis 24 Jahre verschärfe sich von Jahr zu Jahr. Ende Mai waren 32.910 Jugendliche bis 24 als arbeitslos vorgemerkt, 22.583 Jugendliche bis 24 Jahre in Schulungsmaßnahmen des AMS und 4.217 als Lehrstellen Suchende registriert. "Insgesamt waren also 59.710 junge Menschen auf der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz", so Hundstorfer.

Auffangnetz

Auf Grund der dramatischen Aussichten fordert die Gewerkschaft von der Bundesregierung 10.000 zusätzliche Plätze im Auffangnetz zur Jugendausbildung. Wenn Jugendliche keinen Lehrplatz finden, müsse es für sie bei Bedarf einen Platz in Lehrgängen geben. Ebenso sollen die Jugendlichen nicht nur die Möglichkeit, sondern das Recht auf den Lehrabschluss in diesen Maßnahmen haben, so Hundstorfer. 4.000 Plätze davon solle es in Stiftungen und überbetrieblichen Lehrwerkstätten geben, wo einerseits Zukunftsberufe, für die die Wirtschaft keine ausreichenden Lehrplätze anbietet, über die gesamte Lehrzeit ausgebildet würden und andererseits sozialpädagogische Förderung für Benachteiligte möglich sei.

Die Finanzierung der Lehrlingsausbildung solle durch alle Betriebe über einen Berufsausbildungsfonds zwischen nicht ausbildenden und ausbildenden Unternehmen erfolgen. (APA)

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    Nicht alle werden das Glück haben, wie die beiden jungen Damen, eine Lehrstelle zu finden.

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