"Macht euch das Handy untertan"

9. Juli 2006, 16:59
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CiscoExpo-Diskussion über nötige soziale Adaption neuer Technologie

Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Technologieunternehmen bei einer eigenen Veranstaltung nicht nur den technischen Fortschritt preist, sondern auch mögliche Schattenseiten debattiert. So hatte die Diskussion auf der CiscoExpo im Rahmen einer Standard-Standpunkte Veranstaltung Seltenheitswert.

"Gebrauchsanweisungen sind einfach schlecht gemacht"

Manche der Einwände in der Runde prominenter Teilnehmer lassen sich möglicherweise leicht beheben: "Gebrauchsanweisungen sind einfach schlecht gemacht", beklagte Unternehmen Hansjörg Tengg, früher Geschäftsführer von max.mobil.

"Meine Großmutter hat vor 60 Jahren noch einen ganzen Tag als Waschtag gebraucht."

Andere Einwände gehen ins Grundsätzliche. "Meine Großmutter hat vor 60 Jahren noch einen ganzen Tag als Waschtag gebraucht. Heute dreht man die Waschmaschine auf, geht und macht was anderes - aber dafür stopfen wir in die gewonnene Zeit immer mehr hinein, sodass uns am Ende nicht mehr Zeit bleibt", zeigt sich Helmut Schüller, Pfarrer in Wien und Universitäts-Seelsorger an der Bodenkultur und Wirtschafts-Uni, skeptisch über die menschliche Fähigkeit, die Erleichterungen der Technik sinnvoll zu nutzen. "Wir müssen uns das Handy"- Synonym für eine Vielzahl an Technologie - "untertan machen", sieht er als einzige mögliche Konsequenz, mit vielen teils überfordernden Möglichkeiten von Technik zurecht zu kommen.

Übermaß

Carlo Wolf, General Manager von Cisco Österreich, bricht dagegen eine Lanze auch für ein Übermaß an Möglichkeiten. "Die Technik, die uns Dinge erleichtert, fordert uns auch mit neuen Möglichkeiten heraus. Und der Mensch muss gefordert werden, sonst gibt es keine Weiterentwicklung.""Objekt oder Subjekt im Umgang mit Technik"zu sein wäre die Herausforderung für den sinnvollen Umgang, sieht auch Friedrich Rödler, Präsident des österreichischen Patentamts hier einen Ansatzpunkt.

Frage

Roland Wagner von der Uni Linz verlangt dabei mehr Verantwortung von den Herstellern: "Man muss zuerst der Frage nachgehen, was tatsächlich gebraucht wird. Dann wird man auch im Umgang mit der Technik kein Problem haben. Ein Ansatz, der aber auch mögliche Entdeckungen unmöglich machen würde, sieht Christian Lindinger vom Future Lab der Ars Electronica: "Niemand hat gewusst, wozu SMS gebraucht wird, als es entwickelt wurde"- bis Handyuser in Eigenregie darin großen Nutzen fanden. (red)

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