Open-Air-Ausstellung: Sigmund Freud erobert die Straße

9. Juli 2006, 18:55
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"Wege zum Unbewussten" macht Werbung für Freuds Werk

Wien - Auch wenn Sigmund Freuds 150. Geburtstag in den flächendeckenden Mozart-Huldigungen bisweilen untergegangen ist, so genießt er doch einen Bekanntheitsgrad, an den nur wenige Berühmtheiten herankommen. Dennoch: Das vorgegebene Interesse ist weit höher als die tatsächliche Beschäftigung mit Freud, zum Beispiel bei einem Besuch im Freud-Museum.

Damit die Menschen nicht mehr ins Museum kommen müssen, um Freud kennen zu lernen, kommt das Museum eben zu ihnen: Mit der Open-Air-Ausstellung "Wege zum Unbewussten"springt das Freud-Museum über seine eigenen Grenzen und trägt den Star der Psychoanalyse auf die Straße hinaus. In Form von 17 Litfaßsäulen und City-Terminals in drei Bezirken sollen Freuds Arbeit prägnant und leicht rezipierbar der Bevölkerung näher gebracht werden.

Bis Anfang September vermitteln 13 verschiedene Sujets mit plakativen Titeln, Fotos und Zitaten die zahlreichen Facetten von Freuds Werk, von der Psychoanalyse über Kulturtheorie und Religionskritik bis zur Soziologie. Als Kontrast und Erklärung dienen Kommentare von Zeitgenossen wie Einstein, Kafka und Wittgenstein, aber auch von Kritikern und Freud-Kennern der Gegenwart.

Freud selbst war bekanntlich ein leidenschaftlicher Spaziergänger und so können alle Stationen erwandert werden, und zwar anhand eines Guides, der nicht nur in gedruckter Form verfügbar ist, sondern auch als Audio-Version aus dem Internet auf den MP3-Player geladen werden kann. Ausgehend von Freuds ehemaliger Wohnung in der Berggasse führen die "Wege zum Unbewussten"auf den Schottenring, zum Café Landtmann, in dem Freud gerne verkehrte, die Reichsratsstraße, wo er ordinierte, die Universität und den Freud-Park neben der Votivkirche.

Inge Scholz-Strasser, die Direktorin des Freud-Museums, will neben Touristen vor allem die Wiener mit dem Leben des 1938 emigrierten Wissenschafters konfrontieren: "Ich glaube, dass das Leben und Werk Sigmund Freuds viele Jahre geleugnet wurde."Erst im Zuge der Restitutionsdebatte habe sich die Öffentlichkeit damit auseinander gesetzt. Eine "große Chance", die im heurigen Freud-Jahr bereits 40 Prozent mehr Besucher ins Museum brachte. (kri, DER STANDARD Printausagbe 29.6.2006)

Webtipp: Freud-Museum
  • 17 Litfaß-Säulen in der Innenstadt tragen Freuds Leben und Werk in den öffentlichen Raum -in prägnanter und doch leicht verdaulicher Form.
    foto: matthias cremer

    17 Litfaß-Säulen in der Innenstadt tragen Freuds Leben und Werk in den öffentlichen Raum -in prägnanter und doch leicht verdaulicher Form.

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