Escada kommt bei Anlegern aus der Mode

18. Juli 2006, 15:24
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Luxusmodehersteller steigerte Umsatz und Ergebnis im ersten Halbjahr - Einmalaufwendungen drückten Vorsteuerergebnis - Aktie bricht ein

München - Abschreibungen auf alte Mode-Kollektionen haben dem deutschen Luxusmodehersteller Escada die Quartalsbilanz verhagelt. Die Aktie brach am Donnerstag um bis zu 13 Prozent ein.

Insgesamt schrieb der Konzern auf die drei bis vier Jahre alten Bestände 16,3 Mio. Euro ab. Das drückte den Konzern sowohl im zweiten Quartal als auch im ersten Halbjahr wieder in die Verlustzone. Nach einer massiven Restrukturierung, bei der gut ein Fünftel der Stellen gestrichen wurde, hatte Escada erst im Geschäftsjahr 2003/04 wieder die Gewinnzone erreicht.

Massive Kursverluste

"Es handelt sich um Einmalaufwendungen, die sich in den folgenden Quartalen weder in Teilen noch ganz wiederholen werden", versicherte Escada-Chef Frank Rheinboldt. Der Markt strafte das Unternehmen dennoch mit einem massiven Kursverlust ab. Im Handelsverlauf erholte sich die im SDax notierte Aktie wieder, lag aber bei 19,50 Euro noch sechs Prozent im Minus.

"Obwohl es sich um Einmalaufwendungen handelt, sind das negative Nachrichten", sagte Equinet-Analyst Ingbert Faust. "Der Markt hatte gedacht, die Restrukturierungsmaßnahmen bei Escada gehörten der Vergangenheit an." Auf 9,2 Mio. Euro habe sich der Verlust im zweiten Quartal belaufen, im Halbjahr auf drei Millionen, teilte Escada mit. Ein Jahr zuvor war noch ein Gewinn von 0,9 Mio. Euro beziehungsweise 6,8 Mio. Euro verbucht worden.

Neue Führungsmannschaft

Die seit Anfang des Jahres amtierende neue Führungsmannschaft unter Rheinboldt hatte Escada erneut auf den Prüfstand gestellt. Die noch von der alten Unternehmensführung - darunter Firmengründer Wolfgang Ley - angekündigte Dividende strich der neue Vorstand wieder ein. Zuletzt hatte Escada für 2001/02 eine Dividende gezahlt. Ob für dieses Geschäftsjahr wieder eine Dividendenzahlung möglich sei, wollte Rheinboldt noch nicht sagen.

Zum weiteren Geschäftsverlauf äußerte sich Rheinboldt zuversichtlich. "Es war das letzte Mal, dass wir zurückgeguckt haben", sagte er. Operativ sei Escada voll im Plan. Für das Gesamtjahr 2005/06 rechnet er beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit einem Gewinnplus von zehn Prozent. Unter dem Strich soll ein Gewinn bleiben. Beim Umsatz erwartet Escada unverändert einen Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/05 hatte Escada bei einem Umsatz von 648,6 Mio. Euro operativ 65,1 Mio. Euro verdient. Der Konzerngewinn betrug 13,5 Mio. Euro. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres verdiente Escada bei einem um rund sechs Prozent auf 312,6 Mio. Euro gewachsenen Umsatz operativ mit 36,9 Mio. Euro knapp zehn Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Das Vorsteuerergebnis verringerte sich wegen der Wertberichtigungen allerdings auf 6,5 Mio. Euro nach 14,5 Mio. Euro. (APA/Reuters)

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