Das Glück - eine Abwesenheit?

28. Juni 2006, 19:08
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Alexander Kluge gestaltet ein "Magazin des Glücks" bei den Salzburger Festspielen

Salzburg - "Glück ist, wenn der Schmerz aufhört" definierte es einst George Tabori. Das Glück eine Abwesenheit? Den Zwischenräumen zwischen den Schüben des Schmerzes oder Nicht-, vulgo Un-Glücks gilt eine Forschungsreihe, die die Salzburger Festspiele in diesem Jahr mit ihrem "Dichter zu Gast" entwickelten, dem deutschen Autor und Filmemacher Alexander Kluge. Ist doch Die Lücke, die der Teufel lässt nicht erst seit seinem letzten Buch das Gebiet seiner literarisch-soziologischen Untersuchungen. "Die Lücken zu finden, in denen sich das Leben bewegt" reiht er Lebensläufe, Anekdoten, Begebenheiten - Szenen, in denen das zähe Unkraut des Daseins an den unerwartetsten Orten des Teufels Sperren durchbricht.

Magazin des Glücks. Salon zur Erforschung der Grundlagen des Komischen nennt sich die Salzburger Veranstaltungsreihe. Eine listige Erweiterung des diesjährigen Schauspiel-Programms unter Martin Kusej, das sich zur Gänze der Komödie verschrieben hat - und, nicht zu vergessen, zu Mozarts über dunklem Grund schwebender Heiterkeit. "Dein Lachen endet mit der Morgenröte" lautet das Motto am 29. Juli, wenn Alexander Kluge mit Nikolaus Harnoncourt über des Komponisten "Ausgänge" diskutiert.

Im Anschluss zu sehen: Studien Kluges zu Mozart-Opern. Von 28. Juni bis 3. August reihen sich Abend für Abend Gespräche und Filme - mit dem Satanologen Josef Dvorak, Österreichs Trauermarsch-Spezialist Fritz Ostermayer - und mit Kluges langjährigem Ko-Autor, dem Soziologen Oskar Negt, über "Öffentlichkeit, Erfahrung, Drama und Komik" - und zu Negts noch unveröffentlichtem Buch Faust - eine Karriere. Zehn Autoren der jüngeren Generation - von Sibylle Berg über Daniel Kehlmann bis Roland Schimmelpfennig - lesen zudem eigene Satyrspiele und Höllenstürze. (cia/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2006)

  • Alexander Kluge in Salzburg.
    foto: dctp

    Alexander Kluge in Salzburg.

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