Neue Fragen zu den Liechtenstein-Stiftungen

11. Juli 2006, 12:45
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Über das Steuerparadies wurden angeblich schon 1995 zwei Firmen in Irland gegründet und für Karibik genutzt

Wien- Im Skandal um die Gewerkschaftsbank BAWAG sind neue Fragen zu Stiftungen in Liechtenstein aufgetaucht, berichtet die Tageszeitung "Kurier" in der Donnerstag-Ausgabe. Demnach schwanken die Angaben zu er Anzahl der Stiftungen.

Zwischen 50 und 70 Stiftungen sind von der BAWAG im Zuge der Verschleierung der Karibik- und Refco-Geschäfte in Liechtenstein gegründet worden. Die meisten wurden zwischen 1998 und 2004 gegründet, und das passt auch zeitlich ins Bild der Aufarbeitung der Verluste in Höhe von einer Mrd. Euro. Sie sind mittlerweile in den Bilanzen verdaut - auch mit Hilfe einer Bundeshaftung.

Nun sind die Ermittler aber auf zwei irische Gesellschaften gestoßen, die aus Liechtenstein heraus gegründet wurden, allerdings bereits 1995, schreibt die Zeitung. Es handelt sich dabei um eine catchet Limited, sowie eine Shrivenham Ltd. Als Direktoren fungieren laut britischem Firmenregister Kuno Frick und Yvonne Nägele. Diese beiden finden sich auch in drei anderen Stiftungen, über die später das Vermögen von Wolfgang Flöttl verwertet wurde.

Verluste möglicherweise bereits sehr früh

Was die Ermittler derzeit noch nicht beantworten können ist die Frage, wozu diese Gesellschaften exakt dienten, und warum sie schon so früh gegründet worden waren, so der Bericht. Nach den bisherigen Erkenntnissen sind demnach im Herbst 1998 mehr als 600 Mio. Euro verloren gegangen, und zwar im Zuge von Devisenspekulationen in Südostasien.

Die frühe Errichtung der Gesellschaft nährt laut "Kurier" Vermutungen, wonach es schon in den Jahren zwischen 1995 und 1998 Verluste gegeben haben könnte. Ebenfalls geprüft wird, dass die ersten Karibik-Geschäfte, die BAWAG-Chef Walter Flöttl mit seinem Sohn begann, und die - nachdem sie publik wurden - 1994 beendet worden waren, auch mit Verlusten geendet haben könnten.

Vorwürfe an die Justiz

Über all diese Fragen stürzt sich mittlerweile neben der Bankenaufsicht auch die Staatsanwaltschaft. In Bankenkreisen wird der Justiz vorgeworfen, hier zu langsam zu agieren. Gerhard Jarosch von der Wiener Staatsanwaltschaft: "Wir sind zu Beginn davon ausgegangen, dass alle Unterlagen in der BAWAG vorhanden sind. Allerdings mussten wir erkennen, dass dem nicht so ist." Über mögliche Konten-Öffnungen und Rechtshilfeansuchen an andere Länder wollte Jarosch gegenüber der Zeitung nichts sagen.

Dem "Kurier" wurde aber demnach aus Ermittlerkreisen bestätigt, dass die heimische Justiz bereits mit den liechtensteinischen Behörden in Kontakt ist. Banker erklärten, dass es - beim Verdacht von strafbaren Handlungen - mittlerweile sehr wohl möglich ist, eine Stiftung in Liechtenstein zu knacken. Bis vor wenigen Jahren wäre dies unmöglich gewesen. Internationale Geldwäsche-Vorwürfe (die nichts mit der aktuellen BAWAG-Affäre zu tun haben) haben aber auch in Liechtenstein zu einem Umdenken geführt.

Die beiden irischen Gesellschaften sollen zwar gegründet worden sein, um Teile des damaligen Sanierungsfalles Economos abzuwickeln, aber es sollen auch - allerdings bekannte - Karibik-Geschäfte darüber gelaufen sein. Warum und wieso - das kann bisher niemand beantworten, heißt es abschließend in dem Bericht. (APA)

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