Bank-Konten unter der Lupe

11. Juli 2006, 12:45
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Aufsichtsrat analysiert Geschäftsverbin­dungen - und wird Skurrilitäten rund um die Flöttl-Bilder und Elsners Abfindung erfahren

Wien – Der Bawag-Aufsichtsrat wird am nächsten Montag einiges zu bereden haben. Auf seiner Tagesordnung steht etwa die Besprechung des 98-seitigen Berichts des Bawag-eigenen "Restrukturierungsteams".

Im Idealfall, von dem Bawag-Chef Ewald Nowotny ausgeht, wird bis dahin auch der Refco-Vergleich (675 Mio. Dollar) erledigt sein. Plangemäß hätte ihn der New Yorker Richter am Dienstag unterschreiben sollen – das Closing wurde aber auf Freitag verschoben. Offenbar machen "die Auswirkungen des Vergleichs auf die Position aller Interessengruppe im weiteren Insolvenzverfahren" weitere Abklärungen nötig, zudem "konnten einige Fragen aus zeitlichen Gründen nicht abschließend diskutiert werden", erklärte die Bawag.

Einmal mehr wollen die Bawag-Kontrollore auch versuchen, die verwickelten Geschäfte ihrer Bank zu verstehen. Im Zuge dessen werden sie sich die Geschäftsverbindungen wichtiger Kunden zu Gemüte führen. Wie berichtet erwähnen die Prüfer der Notenbank in ihrem Bericht den Wiener Unternehmer und Bawag-Kunden Martin Schlaff, der 2001 in Geldtransaktionen eingebunden werden sollte.

Beim Studium des hausinternen Berichts werden die Aufseher wieder der einen oder anderen Skurrilität begegnen. Die Passagen über die "Flöttl-Bilder" (Investmentbanker Wolfgang Flöttl soll jeden Cent der karibischen Bawag-Investments verloren haben; er hat sein Vermögen der Bawag überlassen) gehören dazu. Wo etwa Flöttls Flieger (Gulfstream; zwei Rolls-Royce-Motoren; die Bawag hat eine Rate von 18 Mio. Dollar bezahlt) gelandet ist, weiß derzeit niemand.

Zadrazil statt Van Gogh im Depot

Auf fast drei Seiten listen die Rechercheure die Gemälde auf; nach den Highlights wie Degas oder Van Gogh endet die Aufzählung österreichisch. Flöttl hat Werke des Wiener Ex-Postlers und Malers Franz Zadrazil gesammelt. Selbiger wurde für seine fotorealistischen Fassadengemälde bekannt, die Bawag hat den im Vorjahr verstorbenen Künstler wohl gelitten. Und während es bis heute keine lückenlose Spur zur Verwertung der (mit Bawag-Krediten finanzierten) Van Goghs gibt, ist der Verbleib der Zadrazils (in Summe waren Flöttl die Riesenbilder 100.000 Dollar wert) klar. Sie wurden jüngst im Kunstdepot Flöttls am Flughafen Zürich-Kloten gefunden. Überraschung: Ansonsten war der Bilder-Safe bei seiner Öffnung in Anwesenheit von Bankchef Nowotny leer.

In Wien aufgetaucht ist dagegen das bisher verschollene Protokoll über jene Aufsichtsratssitzung am 25. November 2000, in der die Pensionsabfindung von Ex-Bankchef Helmut Elsner beschlossen wurde. Aufsichtsratschef Günter Weninger hatte "zunächst einen freudigen Anlass" zu erwähnen (den Geburtstag von Aufsichtsrat Peter Kahn, dem Vizechef der Bayerischen Landesbank, der 46 Prozent der Bawag gehörten), um sodann eine noch freudigere "Vorstandsangelegenheit" zu thematisieren, "die sich kurzfristig ergeben hat. Herr GD Elsner hat den Wunsch geäußert ..., die Abfindung seiner künftigen Pensionszahlung mittels einmaliger Zahlung zu regeln. (...) Auch sollen bei der Abfindung allfällige Ansprüche seiner Witwe berücksichtigt werden."

Eigentlich liege das alles ja im Pouvoir des Präsidenten, so Weninger weiter, "ich möchte aber gerade in diesem Punkt ... ganz bewusst den Aufsichtsrat selbst entscheiden lassen". Wohlgemerkt: Es handelte sich um eine Tischvorlage; von Beträgen war keine Rede (es wurden 6,8 Mio._Euro); Ende 2000 betrugen die Karibik-Verluste, von denen Elsner und Weninger wussten, 1,8 Mrd. Euro. Weninger bekam sein "Pouvoir bestätigt". Geburtstagskind Kahn dazu: "Gemäß der bisherigen langen Amtszeit des GD von 45 Jahren soll diese Lebensleistung sicherlich auch im Interesse der Person honoriert werden." Weninger – wenig später organisiert er die ÖGB-Haftung, damit die Bank bilanzieren kann – "stimmt dem zu". Heute weiß man auch, wie die Summe (Basis der Abfindung war Elsners Gehalt 2000) zustande kam: Elsner legte zwei Gehaltszettel vor; den üblichen plus jenen mit der Erfolgsprämie, die er sich für den Kauf der P.S.K. hatte auszahlen lassen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2006)

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