Ellen Schwiers feiert Riesenerfolg als "Mutter Courage"

11. Juni 2000, 14:47

Frau der Woche: "Mein Herz schlug immer für das Theater"

München - Ihr größtes Geburtstagsgeschenk hat sich Ellen Schwiers schon selber gemacht: Als "Mutter Courage" feierte sie in den vergangenen Monaten einen Riesenerfolg. "Auch wenn ich in sehr vielen Filmen und in Fernsehproduktionen mitgespielt habe, mein Herz als Schauspielerin schlug immer für das Theater", sagt die beliebte Künstlerin, die am 11. Juni ihren 70. Geburtstag feiert. "Eigentlich sollte ich hinterm Ofen sitzen, die Beine ausstrecken und in meinen wunderschönen Garten schauen. Aber ich weiß, dies sind Wunschbilder." Die umfangreiche Tournee mit Bert Brechts "Chronik aus dem Dreißigjährigen Krieg" krönte gleichzeitig ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum.

Foto: APA/dpa

So verwundert es nicht, dass die einfühlsame Darstellerin großer Frauenrollen schon wieder die nächsten TV-Auftritte ("Landarzt") und Tourneen plant. "Ich bin einfach total aktiv." Gemeinsam mit ihrer Tochter Katerina Jacob hatte sie vor "Mutter Courage und ihre Kinder" mit ihrem Tournee-Theater Jean Anouilhs "Medea" gespielt und war wieder einmal mit Shakespeares "Was ihr wollt" durch die Lande gezogen. "Ich habe keinen besonderen Ehrgeiz mehr als Schauspielerin, sondern arbeite lieber als Regisseurin", straft sich die "Vollblut-Schauspielerin" selbst Lügen, die auch als künstlerische Leiterin der Burgfestspiele in Jagsthausen jahrelang mit großem Erfolg agierte.

Mit einer Wanderbühne unterwegs

Bereits als Kind hatte die in Stettin geborene Tochter eines Schauspielers mit einer Wanderbühne den norddeutschen Raum von Pommern bis zum Rhein und hinunter nach Schlesien durchstreift. Das erste Bühnenengagement erhielt sie 1949 in Koblenz, 1955 wurde sie für den zweiten Teil des Films "08/15" engagiert. In der Folgezeit drehte Ellen Schwiers mehr als 40 Filme, darunter Leinwandhits wie "Anastasia, die letzte Zarentochter", "Tierarzt Dr. Vlimmen", "Aus dem Tagebuch eines Frauenarztes", "Das Erbe von Björndal", "Der Mann im Schatten" und "Fedora".

Neben der Filmarbeit blieb die Künstlerin aber immer auch der Bühne treu. Das Schauspielhaus Zürich, das Theater der Stadt Essen und die Salzburger Festspiele, Jagsthausen und Feuchtwangen waren Stationen ihrer Karriere. Vor allem die Salzburger Festspiele, wo sie 1961/62 die Buhlschaft in Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" spielte, sind ihr noch lebhaft in Erinnerung. "Für eine deutsche Schauspielerin war es damals eine Auszeichnung, in Salzburg auftreten zu dürfen. Leider war die Regie von Gottfried Reinhardt zu modern, so dass die Inszenierung schon nach zwei Jahren abgesetzt wurde."

Regie-Karriere begann mit Shakespeare-Inszenierung

Die vielseitige Künstlerin begann ihre Regie-Karriere 1972 mit einer Inszenierung von Shakespeares "Was ihr wollt" in eigener Übersetzung und Bearbeitung bei den Burgfestspielen in Jagsthausen. Im Sommer 1984 übernahm sie die Intendanz dieses renommierten Festivals. Für ihren 1985 an Krebs gestorbenen Sohn Daniel Jacob stiftete sie einen Förderpreis für junge Schauspieler. Gemeinsam mit ihrem vor acht Jahren gestorbenen Mann, dem Produzenten Peter Jacob, gründete sie 1982 ein eigenes Tournee-Theater. (APA/dpa)

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