Wann Firmenautos Steuergeld bringen

27. Juli 2006, 14:22
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Ein klassischer österreichischer Firmenwagen darf 40.000 Euro kosten. Alles was teurer ist, wird als Luxus behandelt

Die Deutschen haben es gut. Jeder betrieblich genutzte Pkw wird auch vom Finanzamt als solcher angesehen und für Vorsteuerabzug und Abschreibung vollständig anerkannt. Viele andere europäische Länder behandeln das Thema genauso wie die Deutschen, nur Österreich geht eigene, für Unternehmer weitaus teurere Wege. Das Ergebnis sind unzählige ausländische Firmenwagen, die, sofern alle gesetzlichen Richtlinien eingehalten werden, legal in Österreich gefahren werden können und den Staat schon allein durch den Wegfall der Normverbrauchsabgabe (NoVA) ein kleines Vermögen kosten. Diese Modelle sind entweder in einem Nachbarland geleast oder auf eine Firma angemeldet, die allein für diese Fahrzeuge ins Leben gerufen wurde.

Was aber tun, wenn man ein in Österreich zugelassenes Modell als Firmenwagen fahren möchte, ohne dabei auf die vollständige Abschreibbarkeit und den Vorsteuerabzug zu verzichten? Hier werden gern die Fiskal-Lkw- Modelle gewählt, die Kleinbusse und die Pick- up-Modelle, die es dem österreichischen Unternehmer erlauben, legal Steuern zu sparen: Ein klassischer österreichischer Firmenwagen darf 40.000 Euro kosten und binnen acht Jahren steuerlich abgeschrieben werden. Alles, was über der 40.000er-Marke liegt, ist Luxus und wird auch als solcher behandelt. Der eigentlich obligate Vorsteuerabzug ist nicht erlaubt. Einen Ausweg bieten die Fiskal- Lkw-Modelle, die Mitte der Neunzigerjahre vom Finanzminister verbannt wurden, nach einem EU-Entscheid aber wiederauferstanden sind.

Es wäre nicht Österreich, gäbe es nicht auch hier bestimmte Kriterien zu erfüllen, um aus einem normalen Pkw, einem Kombi oder einem SUV (Sports Utility Vehicle) einen steuerlich anerkannten Lkw zu machen. In der Praxis bedeutet das, dass beispielsweise ein VW Golf ein Trenngitter hinter die erste Sitzreihe montiert bekommt, die hinteren Seitenscheiben gegen Bleche getauscht werden und der Laderaum mittels einer Platte eben gestaltet wird. Die zweite Sitzreihe bleibt damit auf der Strecke, womit der Wochenendausflug mit der Familie im Firmenwagen unmöglich gemacht wird. Auf der anderen Seite entfällt, obwohl es sich immer noch um einen Golf handelt, die Normverbrauchsabgabe, und durch die Einstufung als Lkw tritt auch der Vorsteuerabzug in Kraft.

Abschreibung auf fünf Jahre

Dritter positiver Effekt ist die Abschreibung auf nur fünf Jahre – wie bei einem Lkw. Einen Maximalpreis für einen Fiskal-Lkw gibt es hingegen nicht, wodurch weder bei der Ausstattung noch bei der Motorisierung gespart werden muss. Um auch den Firmenchef ins Lager der Fiskal-Lkw Fahrer holen zu können, bietet die Industrie zwischenzeitlich auch große Luxusgeländewagen ohne hintere Sitzplätze und mit verblechten Seitenscheiben an, was sich zunehmend größerer Beliebtheit erfreut, zumal die Statistik ohnedies nur von einer Nutzung durch 1,4 Personen pro Fahrzeug spricht.

Auf der Strecke bleiben bei dieser Variante nur Unternehmen, die auf mehr als zwei Sitzplätze angewiesen sind. Für sie wollen die österreichischen Fahrzeugimporteure eine Lösung in Form der Pick-up-Modelle bereit^stellen. Diese Fahrzeuge genießen die gleichen steuerlichen Rahmenbedingungen wie die beschriebenen Fiskal-Lkws – mit dem Unterschied, dass sie in der Regel fünf Sitzplätze aufweisen können. Wer keinen Geländewagen mit Ladefläche braucht, hat aber noch eine weitere Möglichkeit, steuerbegünstigt unterwegs zu sein. Viele große Minivans können mit einem Ladeabteil anstelle der dritten Sitzreihe bestellt werden.

Sie haben fünf bequeme Sitzplätze plus Laderaum, der durch eine Trennwand vom Personenbereich abgetrennt ist. Auch hier kann der Vorsteuerabzug geltend gemacht werden, die NoVA entfällt, die Abschreibung auf fünf Jahre ist möglich. Natürlich spielt es keine Rolle, wenn ein bestens ausgestattetes Modell mit 70.000 Euro und mehr in der Preisliste steht. In den Genuss des Vorsteuerabzuges kommen nur all jene Modelle, die von der Finanz als Kleinbusse beziehungsweise als Klein-Autobusse anerkannt werden. Hier müssen die Hersteller

nicht wirklich exakt definierte Kriterien erfüllen, wodurch jeder Hersteller bei der Einführung eines neuen Modells um die Anerkennung seines neuen Minivans als vorsteuerabzugsfähiges Modell bangen muss. Der Vorteil für den Kunden sind der Wegfall optischer Einschränkungen durch unnötiges Blech und die Sicherheit, dass ein einmal als vorsteuerabzugsberechtigter Van anerkannter Wagen diesen Status immer beibehält. Die Möglichkeit, einen klassischen Mittelklassewagen als steuergünstiges Firmenauto zu fahren, ist trotz all dieser Ausweichlösungen nicht gegeben. Hier bleibt nur der Weg ins Ausland inklusive aller Risiken.

Thomas Ableidinger, Chefredakteur‑ des Branchenmagazins Kfz Wirtschaft: "Der Vorsteuerabzug für betrieblich genutzte Pkw- Modelle muss auch in Österreich kommen, da aktuell nicht nur ein Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Ausland, sondern auch gegenüber allen anderen betrieblich genützten Wirtschaftsgütern besteht. Dies schadet nicht nur jedem Wirtschaftstreibenden, sondern hat durch die Flucht ins Ausland auch negative Auswirkungen auf den heimischen Kfz- Handel." Irgendwann wird sich auch Österreich an die internationalen Umgangsformen in Sachen Firmenwagen anpassen müssen, wann dies genau ist, weiß allerdings noch niemand. Bis dahin werden wir fleißig Glas gegen Blech tauschen und die Allroundfähigkeiten einzelner Modelle einschränken, um in den Genuss von steuerlich nutzbaren Fahrzeugen zu kommen. (Nora Wilhelm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2006)

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