Mehrere Bewerber für Zugangsgeschäft von AOL Deutschland

7. Juli 2006, 10:30
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"Für reine Finanzinvestoren wäre ein Kauf vor dem Hintergrund, dass nur der Kundenbestand übertragen wird, eher schwierig"

Für das Internetzugangsgeschäft von AOL in Deutschland gibt es nach Aussagen von Unternehmenschef Charles Fränkl mehrere Interessenten.

"Es gibt eine Reihe von Bewerbern", sagte Fränkl der Nachrichtenagentur Reuters am Rande eines Kongresses am Mittwoch in Berlin. Der Zeitpunkt des Verkaufs hänge davon ab, wann der richtige Partner gefunden sei. Namen nannte Fränkl nicht.

AOL gehört zum Time-Warner-Konzern, der derzeit die strategischen Optionen für das AOL-Geschäft in Europa prüft. Diese umfassen auch einen Verkauf des Internetzugangsgeschäfts, nicht aber des Inhalte-Geschäfts selbst - also des AOL-Internetauftritts. Das Inhalte-Geschäft will AOL Deutschland ausbauen und für alle Internetnutzer öffnen. Eine Mitgliedschaft bei AOL ist dann nicht mehr nötig, um die Dienste zu nutzen.

In Unternehmenskreisen hieß es, AOL Deutschland suche einen Partner, der die über eine Million Breitbandkunden des Hamburger Unternehmens übernimmt. Im Gegenzug solle der Käufer jedoch seine Kundschaft beim Internetzugang direkt auf die AOL-Internetseite leiten, sagte eine mit dem Unternehmen vertraute Person.

HVB-Analyst Thomas Friedrich sagte, unter dieser Bedingung könnte aber nur eine Firma an einem Kauf interessiert sein, die kein eigenes starkes Internetportal habe. "Für Internetanbieter wie United Internet und freenet könnte das ein Grund sein, das Geschäft nicht einzugehen", erläuterte Friedrich. "Interessant könnte ein Kauf vor diesem Hintergrund aber für Telekommunikationsunternehmen wie Versatel, Arcor oder Telefonica sein, die über kein so starkes Portal verfügen", ergänzte er. Telecom Italia hat ein Angebot für AOL Deutschland und Frankreich bestätigt. Interesse hatten auch Versatel, die Mobilcom-Tochter Freenet sowie United Internet bekundet. "Für reine Finanzinvestoren wäre ein Kauf vor dem Hintergrund, dass nur der Kundenbestand übertragen wird, eher schwierig", sagte Friedrich.(Reuters)

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