Entspannung am deutschen Arbeitsmarkt

29. Juni 2006, 10:36
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4,41 Millionen Arbeitslose in Deutschland - Rückgang der Erwerbslosenzahl mehr als doppelt so hoch wie in vergangenen fünf Jahren

Nürnberg - Die Entspannung auf dem deutschen Arbeitsmarkt hat sich nach Einschätzung von Experten auch im Juni fortgesetzt. Nach Berechnungen von Volkswirten deutscher Großbanken nahm die Zahl der Erwerbslosen im zu Ende gehenden Monat um rund 120.000 auf 4,41 Millionen ab. Einige Experten rechnen sogar mit einem etwas höheren Rückgang.

Die Rückgang der Erwerbslosenzahl würde damit mehr als doppelt so hoch ausfallen wie im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. Vor einem Jahr waren in Deutschland noch 4,78 Millionen ohne Beschäftigung. Im Vergleich zum Juni 2005 wären damit aktuell rund 370 000 Menschen weniger erwerbslos. Die offiziellen Zahlen will die Bundesagentur für Arbeit (BA) an diesem Donnerstag bekannt geben.

Uneinig sind sich die Banken-Volkswirte unterdessen über die Auswirkungen der Arbeitskräftenachfrage im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft. Während etwa Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank den Effekt vergleichweise hoch veranschlagt, geht Andreas Rees von der HypoVereinsbank eher von einem moderaten Einfluss aus.

Sommmerloch schlägt sich später nieder

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen schätzt zudem, dass die Entwicklung im Juni durch den auf Mitte des Monats vorgezogenen Zähltermin in den Arbeitsagenturen verzerrt wurde. Für gewöhnlich beginnt Mitte Juni das Sommerloch auf dem Arbeitsmarkt; diese Phase werde sich wegen der frühen Erfassung erst in der Juli-Statistik niederschlagen.

Ungeachtet saisonaler Entwicklungen und statistischer Sondereffekte ist nach Einschätzung des HypoVereinsbank-Experten Rees der Abbau sozialversicherungspflichtiger Stellen in der deutschen Wirtschaft zum Stillstand gekommen. "Ich denke, dass es nach der Sommerpause einen moderaten Stellenaufbau geben wird - und zwar von rund 200 000 zum Vorjahr", prognostizierte er.

Im Mai waren nach Angaben der deutschen Bundesagentur 4,535 Millionen Menschen ohne Arbeit - und damit 255.000 weniger als im April. Dies war der stärkste Rückgang binnen eines Monats seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitslosenquote lag bei 10,8 Prozent. (APA/dpa)

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