Vom Rentner zum Retter

28. Juni 2006, 14:51
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Regisseur Zidane nach 3:1 gegen Spanien: "Das Abenteuer geht weiter" -Teamchef Domenech traut "Equipe Tricolore" Sieg gegen Brasilien zu

Hannover - Frankreichs alternde Fußball-Helden träumen von einem "Deja-vu"-Erlebnis wie 1998, die "Grande Nation" liegt nach dem 3:1-WM-Achtelfinalsieg über Spanien im kollektiven Freudentaumel. Der spanische Plan, den Vorhang für den von der Weltbühne abtretenden 34-jährigen Zinedine Zidane in Hannover vorzeitig fallen zu sehen, ging nicht auf. Die Abschiedstournee des dreifachen Weltfußballers geht weiter.

Der "Rentner" kam als Retter. Der im letzten Gruppen-Spiel gegen Togo gesperrt gewesene Kapitän ging wieder an Bord und führte das ins Trudeln geratene Schiff vor den Augen seiner Frau und seines Sohnes wieder auf WM-Titelkurs. "Das Abenteuer geht weiter. Dieses Spiel soll nicht das letzte gewesen sein. Wir wollen Großes erreichen und zeigen, dass in unserer Mannschaft mehr steckt, als sie in der Gruppe gezeigt hat", meinte "Zizou", dessen strahlendes Lächeln zurückgekehrt war.

Bei spielentscheidenden Szenen präsent

Die Leichtigkeit seines Wirkens ist zwar ein bisschen abhanden gekommen, doch war "ZZ" bei den spielentscheidenden Szenen präsent. Sein Freistoß führte zum 2:1 durch Patrick Vieira, sein Flachschuss in der zweiten Minute der Nachspielzeit zum dramaturgischen Schlusseffekt. Da war sie wieder, die in Hannovers Nachthimmel gereckte Faust und die anschließende innige Umarmung mit den überglücklichen Kollegen, die ihren Kapitän vor überschäumender Freude schier erdrückten.

Auch wenn der als Zidane-Nachfolger geltende Franck Ribery, der den Ausgleich erzielte, und der zum zweiten Mal zum "Man of the Match" gewählte Vieira auffälliger spielten - "Zizou" ist der Trumpf, auf den Trainer Raymond Domenech ("Wir sind noch nicht am Ende und wollen ins Finale") auch gegen Brasilien setzen kann. Zidane, dem im 105. Länderspiel sein 29. Tor gelang, freut sich auf das Treffen mit dem fünffachen Champion. "An Brasilien habe ich eine sehr schöne Erinnerung", grinste Zidane, auf den magischsten Moment seiner Karriere anspielend: Am 12. Juli 1998 erzielte er zwei Kopfballtore zum 3:0-Finalsieg im "Stade de France".

"Das Drehbuch war wunderbar"

Domenech freute sich für seinen Star, mit dem er zuletzt Differenzen hatte. "Das Drehbuch war wunderbar", jubelte der umstrittene Coach über das erste WM-Tor Zidanes seit seinen Treffern gegen Brasilien vor acht Jahren. "Wir wissen, was Zizou einer Mannschaft geben kann", sagte Domenech, der seinen Kapitän nach Abpfiff einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter gab. Noch gegen Südkorea hatte er Zidane kurz vor Schluss vom Platz geholt, woraufhin dieser wütend seine Kapitänsbinde wegwarf.

"Wir sind glücklich für ihn und dass er mit 34 Jahren noch in der 90. Minute die Kraft hatte, das Tor zu machen. Es war ein märchenhaftes Szenario", meinte Domenech. Das sei das I-Tüpfelchen auf dem Achtelfinalsieg. Der Betreuer traut seinen Schützlingen nun eine Wiederholung des Triumphes von 1998 zu, bei dem vier Kicker (Zidane, Vieira, Thuram, Barthez) im Einsatz waren, die am Dienstag die Spanier besiegten. "Wir sind vielleicht alt, aber wir haben es noch immer drauf", erklärte Domenech, dessen Anfangsformation ein Durchschnittsalter von 30 Jahren (Spanien 24,9 Jahre) aufwies. "Wir können uns mit dem Gegner steigern. Unserem Ziel, der Finalteilnahme, kommen wir immer näher. Wir spüren, das etwas passiert." (APA/dpa/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zidane und Raymond Domenech klatschen ab.

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