Rabenhoftheater: Die Schlampen-Problematik

6. Juli 2006, 15:57
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Saisonpläne bei 80 Prozent Auslastung mit Sorgen

Wien – Zur charmanten Selbstdarstellung der Rabenhof-Theaterleiter empfiehlt sich ein Blick ins kommunale Kleingedruckte: Thomas Gratzers Kietz-Bühne, längst die feste Klinkerburg einer rot getönten Kolportagekultur mit kalkulierten Abstechern in stressberuhigte Jugendkulturzonen, erfuhr von 2004 auf 2005 eine Subventionsanhebung um 120.000 Euro.

Die Grundsubvention der selbst ernannten "Boulevard- Schlampen" im Gemeindebau beträgt somit 700.000 Euro. Das ist absehbar zu wenig. Jede Produktion, die den freundschaftlichen Brettlcharakter übersteigt, reißt Löcher in das vom Kunststaatssekretariat konsequent negierte Budget. Oder, wie Gratzer es anlässlich der alljährlichen Saisonvorschau darstellte: Auf die Verweigerung einer Bundesgrundsubvention folge regelmäßig der Verweis auf Projektansuchen. Nur sei kein Projekt bis dato für förderungswürdig befunden worden.

Kein Wunder also, dass man in Wien-Erdberg die Entwicklung des erarbeiteten Formenkanons konsequent vorantreibt. Auf Autorenabende im September (mit dem US-Satiriker Terry Pratchett und den Österreichern Wolf Haas und Thomas Glavinic) folgt die nationalratswahladäquate Wiederaufnahme des Politpuppenspiels Bei Schüssels (17. 9.). Andreas Vitasek präsentiert ab 3. Oktober die Altersmeditation My Generation.

Der bizarre Freddie-Mercury-Impersonator "Austrofred" findet ebenso ein Heim in Erdberg wie Harald Poschs/Ali M. Abdulas Theatertextbrutstätte Drama X. Waldeck und Waldeck produzieren die Schauerrevue Crackhouse of Horrors, die wiener wortstaetten schlüpfen mit der Dinev- Uraufführung Haut und Himmel unter. Wenn man sich etwas leistet, dann für den 70 Jahre alt werdenden Werner Schneyder: Dessen Stück Galanacht wird (u. .a. mit Marion Mitterhammer) am 24. Jänner erstaufgeführt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.6.2006)

Von Ronald Pohl

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rabenhof.at

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    Erhält Zuwachs: "Bei Schüssels" im Rabenhoftheater

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