Ein Jahr Haft für Uni-Assistenten: Entlassener drohte Gericht mit Blutbad

29. Juni 2006, 11:18
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58-Jähriger wollte seinen Posten wieder haben und begann "schriftlichen Krieg"

Wien - Ein 58-jähriger Sozialwissenschafter ist am Mittwoch von einem Wiener Schwurgericht (Vorsitz: Andreas Böhm) zu einem Jahr Haft, davon drei Monate unbedingt, verurteilt worden, nachdem er dem Verwaltungsgerichtshof (VwGH) mit einem Blutbad gedroht hat. Die Anklage lautete auf Nötigung von Mitgliedern des Verwaltungsgerichtshofs. Die inkriminierten Schreiben waren persönlich an den Präsidenten Clemens Jabloner und den Vizepräsidenten Wolfgang Pesendorfer gerichtet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Akademiker verbrachte seit Februar in U-Haft, weil ihn die Justiz für gefährlich hielt. Da ihm diese Zeit auf die verhängte Strafe angerechnet wurde, kam der 58-Jährige, der seit Jahren den VwGH mit Eingaben, Disziplinaranzeigen und am Ende mit Drohbriefen terrorisiert hat, am Mittwochnachmittag wieder auf freien Fuß.

Die Vorgeschichte: Der Mann war als Assistent an der Wiener Universität tätig, stieg Anfang der neunziger Jahre zum Oberassistenten auf, wurde dann jedoch nicht in ein unbefristetes Dienstverhältnis übernommen. Ihm wurden als Universitätslektor nur mehr einzelne Lehraufträge zugestanden. Dagegen legte er Rechtsmittel ein, die jedoch vom VwGH in letzter Instanz abgewiesen wurden.

Nach einer schweren Operation, die ihn beinahe das Leben gekostet hätte, "habe ich mir gedacht, dass ich das in Ordnung bringen muss", meinte nun der studierte Betriebswirt im Straflandesgericht. Er habe seine Familie versorgt wissen wollen, "und daher wollte ich den Posten wieder haben.".

Der 58-Jährige eröffnete einen "schriftlichen Krieg" (Staatsanwalt Karl Schober). Der Wunsch, der VwGH würde darauf hin seine Entscheidung revidieren, erfüllte sich nicht. Also legte der Mann im Februar ein Schäuferl nach, nachdem inzwischen auch seine Ehe gescheitert war: "Letzte Warnung! Zerstören Sie nun auch wissentlich rechtswidrig mein Familienleben, so wird auch Ihre Lebensqualität nicht ohne Zerstörungsbemühungen meinerseits bleiben. Nehmen Sie dies bitte blutig Ernst!"

"In der U-Haft bin ich aufgewacht", zeigte sich der Angeklagte schuldeinsichtig. Er habe "nie an meine Rache gedacht, sondern nur an meinen Dienstposten" und "salopp gesagt ein bisschen auf den Busch klopfen wollen". Als Motiv nannte der 58-Jährige "Verbitterung und Verzweiflung". Er hoffe, dass sich nun der Europäische Gerichtshof seines Falles annehme und das ihm widerfahrene Unrecht feststellen werde, schloss der Wissenschafter. Er sicherte zu, in dieser Sache selbst nicht mehr in die Tasten greifen zu wollen.(APA)

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