Ungarn: Sexarbeit wird steuerpflichtig

28. Juni 2006, 13:35
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Prostituierte dürfen ihr Gewerbe nur noch mit einer gültigen Steuernummer ausüben

Budapest - Ein Aufsehen erregendes Urteil hat jetzt das Gericht des ungarischen Komitats Baranya gefällt. Demnach müssen Prostituierte in der südungarischen Stadt Pecs (Fünfkirchen) von nun an ihre Dienstleistungen im Rotlicht-Milieu versteuern.

Das Verfahren war von sechzehn Frauen angestrebt worden, die bei ihrer Arbeit am Stadtrand mehrfach von Steuerfahndern mit Strafen belegt worden. Die Finanz hatte schließlich die Steuerpflicht für das Sexbusiness gefordert, wobei die Prostituierten sich als Einzelunternehmerinnen bei der Behörde anzumelden hätten.

Widerstand ohne Erfolg

Der Verteidiger der Prostituierten argumentierte ohne Erfolg vor Gericht mit dem so genannten New Yorker-Abkommen, das auch Ungarn unterzeichnet hätte. Demnach dürften sie nicht registriert werden, auch nicht beim Steueramt.

Wie die ungarische Tageszeitung "Nepszabadsag" (Mittwochausgabe) schreibt, seien die Prostituierten von Pecs bei Razzien der Steuerbehörde jeweils mit 50.000 Forint Strafe belegt worden. Die Kontrolleure hätte Auskünfte über die Monatseinkommen der Damen gefordert, wobei diese 100.000 bis 200.000 Forint (358 bis 717 Euro) angegeben hätten. Die Frauen würden nun dazu gezwungen, sich eine Steuernummer zu holen.

Situation in Ungarn

In Ungarn soll es nach Schätzungen rund 100.000 Prostituierte geben, erklärte Agnes Földi, Vorsitzende der Interessenvertretung ungarischer Huren. Dabei sei das Sexgewerbe seit sechs Jahren in Ungarn legal, doch dürften die "Liebesdienste" nur in räumlich festgelegten Zonen angeboten bzw. ausgeübt werden, keinesfalls im Umkreis von Schulen, Kirchen oder diplomatischen Vertretungen. Agnes Földi beklagt das Fehlen von legalen Rotlicht-Vierteln, deren Schaffung immerhin gesetzlich erlaubt sei. Nur würden sich alle Bürgermeister gegen die Schaffung solcher Zonen in ihren Ortschaften wehren. In Budapest soll es bis zu 500 illegale Bordelle geben. (APA)

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