"Bruno" - Virtuelles Grab gut besucht

6. Juli 2006, 10:12
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Internet-User trauern um Braunbären

Zwei Tage nach Braunbär "Brunos" Tod wächst im Internet seine Trauergemeinde: Mehr als 1.800 Tierfreunde nahmen bereits am virtuellen Grab Abschied vom ersten Bären in Bayern seit mehr als 170 Jahren, wie der Sprecher der Bad Homburger Betreiberfirma Online-Grab, Marcel Möller, am Mittwoch sagte. "Die Anteilnahme ist überraschend groß." Mehr als 100 Leute hätten ihren Schmerz im Kondolenzbuch in Worte gefasst.

10.03.2004 - 26.06.2006

Nur wenige Stunden nach dem Ableben des Raubtiers am Montagmorgen legte Möller ein virtuelles Grab für den wohl berühmtesten Bären im Alpenraum an. Auf dem Bild eines grauen, mit Efeu umrankten Steins stehen die Daten von "Brunos" kurzem Leben: 10.03.2004 - 26.06.2006. Daneben gibt es ein Foto, das den wochenlang streunenden Bär auf seiner Tour durch Bayern und Österreich zeigt.

Möller, der selbst im Tierschutzverein aktiv ist und erst vor ein paar Tagen den virtuellen Tierfriedhof eingerichtet hat, versteht das Grab als "Tribut an 'Bruno'": "Es war falsch, ihn abzuschießen. Es hätte Möglichkeiten gegeben, ihn einzufangen." Möller fügte hinzu, er verstehe aber auch, "dass die Leute Angst um ihre Kinder oder vor einem Angriff auf Menschen haben".

"Der Tod ist ein Meister aus Bayern"

Einige Internet-Nutzer fanden diese Sorge offenbar unbegründet: "Er war ein guter Bär", äußerte sich etwa ein User namens Thomas überzeugt. Ina schrieb in ihrem Eintrag ins virtuelle Kondolenzbuch von einem "süßen Teddie". Mehrere Tierfreunde beteuerten auf der mit Rosen und Vergissmeinnicht geschmückten Seite, sie würden den Bären vermissen.

Außerdem äußerten viele Internet-Nutzer Kritik an der Vorgehensweise der Behörden, die als "Armutszeugnis" und "abgekartetes Spiel" bezeichnet wurde. Der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) hatte den Bären nach mehrwöchiger erfolgloser Jagd zum Abschuss frei gegeben, nachdem "Bruno" auch extra eingeflogenen Spezialisten aus Finnland immer wieder entwischt war. Ein User namens Erwin empörte sich: "Der Tod ist ein Meister aus Bayern". Mitunter wurde auch Vergeltung für die Jäger gefordert. (APA)

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