Spinnenbiss in Oberösterreich: Zehnjähriger notoperiert

30. Juni 2006, 14:13
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Maximal 1,5 Zentimeter wird der Dornfinger groß. Genug, um wehzutun -Giftspinne wandert durch Klimaerwärmung bei uns ein

Linz - Zwei Oberösterreicher sind Opfer von Spinnenbissen geworden: Ein zehnjähriger Bub aus dem Mühlviertel musste nach einem Biss sogar notoperiert werden, schrieb das "Neue Volksblatt". Auch ein Mediziner aus Linz wurde vermutlich von einer "Dornfinger"-Spinne gebissen, berichteten die "Oberösterreichischen Nachrichten". Das Tier gilt als vermutlich einzige für den Menschen gefährliche Giftspinne in Mitteleuropa.

Der Linzer Arzt wurde von der Spinne gebissen, als er sich im Gras nach einem Ball bückte. Dann hat er zwei Bissstellen von einer winzigen Spinne entdeckt, berichtete der Mediziner. Er maß der Wunde vorerst keine weitere Bedeutung zu, aber in der Nacht schwoll die Hand dramatisch an und verfärbte sich blaurot. "Nach etwa zwölf Stunden war die Hand fast schwarz und hat gespannt und geschmerzt", erzählte das Bissopfer.

Ärzte waren ratlos

Ein weiteres Spinnenbiss-Opfer war vor wenigen Wochen ein Kind im Mühlviertel. Der Zehnjährige kam vom Fußballspielen nach Hause und hat gejammert, dass ihn der Fuß schmerzt, aber außer einer Schwellung und einer leichten Rötung am Oberschenkel hat man nichts gesehen. "Er selber hat den Biss gar nicht bemerkt", berichtete seine Mutter. Auch der Hausarzt konnte sich die Schwellung nicht erklären und verschrieb eine Salbe die nicht half. Als auch Antibiotika wirkungslos blieben, diagnostizierte eine andere Ärztin den Spinnenbiss und verschrieb wieder Antibiotika. Der Junge konnte vor Schmerzen schließlich gar nicht mehr auftreten und musste sogar in die Schule getragen werden. Schließlich wurde der Zehnjährige ins Kinderkrankenhaus gebracht, wo er notoperiert wurde. Die Ärzte entfernten die betroffenen Gewebeteile chirurgisch. Glücklicherweise war der Knochen noch nicht infiziert.

Dornfinger lebt in trockenen Wiesen

Der Dornfinger (Cheiracanthium punctorium) ist eine für den Menschen gefährliche Giftspinne. Die etwa eineinhalb Zentimeter große Sackspinne lebt in trockenen Wiesen und ist nur schwer zu sehen. Das Tier sei heuer zum ersten Mal in Oberösterreich nachgewiesen worden, erklärten die Experten vom Linzer Biologiezentrum. Der Dornfinger ist aus dem Mittelmeerraum eingewandert. In der südlichen Hälfte Deutschlands sei die Spinne schon länger heimisch. Durch die zunehmende Erwärmung dürfte das Tier auch in Österreich "Fuß fassen".

Giftig wie Wespenstich

Sie kann im Gegensatz zu anderen heimischen Arten mit zu kurzen Klauen die menschliche Haut durchdringen. Starke Schmerzen mit Lähmungserscheinungen sind die Folgen für die "Opfer". Die Symptome können über Wochen anhalten. Die Bissstelle verfärbt sich in manchen Fällen blau-rot und schwillt an. Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Erhöhung der Körpertemperatur sind möglich. Es empfiehlt sich ein Besuch beim Arzt. Die Wirkung des Giftes lässt sich in etwa mit der eines Wespen- oder Hornissenstichs vergleichen.

Der Vorderkörper der Dornspinne ist gelblich, grünlich bis orange glänzend. Die Weibchen spinnen im Spätsommer eine nach unten offene Glocke, in die sie etwa 100 Eier ablegen. Dann schließt sie das Gespinst und bewacht aggressiv den Kokon.(APA)

  • Laut Ivo Schmerold, Vorstand des Toxikologie-Institutes der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, sind derartige Attacken möglicherweise gar nicht so selten - sie werden oft nur nicht erkannt, da die Symptome auch Bienenstichen ähnlich sind. Die genaue Zusammensetzung des Giftes, das auch zu Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Fieber führen kann, ist übrigens nicht bekannt. (moe, Der Standard Printausgabe 29.6.2006)
    foto: standard

    Laut Ivo Schmerold, Vorstand des Toxikologie-Institutes der Veterinärmedizinischen Universität in Wien, sind derartige Attacken möglicherweise gar nicht so selten - sie werden oft nur nicht erkannt, da die Symptome auch Bienenstichen ähnlich sind. Die genaue Zusammensetzung des Giftes, das auch zu Kreislaufbeschwerden, Erbrechen und Fieber führen kann, ist übrigens nicht bekannt. (moe, Der Standard Printausgabe 29.6.2006)

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