Cap: "Arbeitsteilung" zum "Nutzen der Gewerkschaft"

4. Juli 2006, 15:56
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Postgewerkschafts-Chef Fritz rügt Gusenbauer und betont SPÖ-Unterstützung

Wien - Das aufgebrachte Schreiben der sozialdemokratischen Gewerkschafter an SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat SPÖ-Klubobmann Josef Cap am Mittwoch gelassen kommentiert. Tatsache sei, dass SPÖ und Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) "auch in Zukunft eng zusammenarbeiten möchten", betonte er bei einer Pressekonferenz. "Daher stellt sich die Frage nach einer Trennung ja überhaupt nicht." Vielmehr gehe es bei der ganzen Debatte vor allem "um das Konzept einer Arbeitsteilung, die vor allem auch zum Nutzen der Gewerkschaft wäre".

Diese stehe durch die Causa BAWAG, aber auch auf Grund massiver Veränderungen in der Arbeitswelt vor neuen Herausforderungen, die "totalen Einsatz" forderten. "Das ist eine ganz wichtige Zeit, in der man sich darauf konzentrieren muss, die Stärkung voranzutreiben."

"Viele Interessen, die Arbeitnehmer betreffen, sollen auch in Zukunft in Übereinkunft umgesetzt werden", so Cap weiter. Auch die "Forderungen für die Wahlbewegung" habe man gemeinsam entwickelt und werde man daher auch gemeinsam vertreten.

Fritz rügt Gusenbauer und betont SPÖ-Unterstützung

Postgewerkschaftschef Gerhard Fritz zeigt sich nicht sehr glücklich über die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen ÖGB und SPÖ. Die von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer losgetretene Diskussion über die Unvereinbarkeit der Funktion eines Spitzengewerkschafters mit einem Nationalratsmandat "halte ich für entbehrlich", so Fritz am Mittwoch im Gespräch mit der APA. Er selbst habe die Entscheidung schon bei der letzten Wahl getroffen, nicht für ein Nationalratsmandat zu kandidieren, doch müsse das jeder Gewerkschaftschef für sich entscheiden. Generell hätte Gusenbauer die Angelegeheit aber "vernünftiger klären können".

"Das Problem dabei ist, dass mitschwingt, dass Gusenbauer die Gewerkschaftsarbeit nicht schätzt." Dabei sei es dem ÖGB trotz der jüngsten Krise gelungen, Kollektivverträge auszuverhandeln und Betriebsvereinbarungen zu schließen und einiges für die Arbeitnehmer zu erreichen. "Wir haben unsere Arbeit ja nicht eingestellt", betonte Fritz. Und "Gusenbauer muss zur Kenntnis nehmen, dass die Gewerkschaft ein gesellschaftspolitischer Faktor ist. Die Arbeitnehmer im Land brauchen ein Sprachrohr und das ist die Gewerkschaft."

Unbestritten ist für Fritz, dass er "natürlich die SPÖ im Wahlkampf unterstützt". Er habe sich durch die gesamte Debatte auch "nicht gedemütigt gefühlt". Nur hätte man die Sache nicht in der Öffentlichkeit diskutieren müssen. "Man hätte das anders regeln können. Es sitzt ein einziger Chef einer Teilgewerkschaft (Wolfgang Katzian von der GPA, Anm.) im Nationalrat für die SPÖ", dafür sei die Aufregung vielleicht zu groß gewesen. Ob er Katzian raten würde, nicht mehr für den Nationalrat zu kandidieren? - Fritz: "Das kann und will ich nicht beurteilen."

Er selbst habe zwei Jobs, den eines Zentralbetriebsratsvorsitzenden für eine der größten Firmen Österreichs, und den Gewerkschaftsvorsitz dazu. "Mein Arbeitstag hat 16 Stunden, und Samstag und Sonntag kommt oft auch dazu. Für mich ist es nicht möglich, da noch etwas dazu zu nehmen."

Aber ungeachtet der jüngsten Differenzen zwischen ÖGB und SPÖ ist für Fritz "klar, dass die Sozialdemokraten die einzige Bewegung sind, die wirklich Arbeitnehmerinteressen vertreten kann. Alles andere sind für mich Scheinbekenntnisse." Jedenfalls werde "die SPÖ gut bedient sein, Gewerkschafter in ihren Reihen zu haben, die einen Überblick haben. Ein Betriebsrat, der zehn Arbeitnehmer vertritt, kann das gut machen, aber er kennt vielleicht nicht den größeren Teil der Branche. Wichtig ist bei allen Interessensvertretern, dass die eine Ahnung von dem haben, was sich in der Arbeitnehmerschaft generell abspielt. Und wenn jetzt einerseits kein kleiner Betriebsrat drin sein soll, und andererseits kein Spitzengewerkschafter, wird das ein Betriebsrat einer großen Firma sein. Und da heißt es dann wieder, dass das ein Betriebsratskaiser sein wird", zeigt sich Fritz skeptisch. (APA)

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