Wegweiser durch Förderdschungel

4. Juli 2006, 19:11
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Eine neue Plattform soll den Westbalkan in der Forschung unterstützen

Durch eine so genannte "Steering Platform" sollen die Westbalkanländer bei der Bewerbung für Forschungsgelder der EU unterstützt werden. Derzeit können die Westbalkanstaaten die ihnen eigentlich offen stehenden Mittel nicht lukrieren, weil ihnen das nötige Fachwissen für die oft komplizierten Ausschreibungsbedingungen fehlt.

Die Plattform soll nun als "Schnittstelle zwischen der EU und dem Westbalkan" dienen, betonte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) am Montag bei der Eröffnungsveranstaltung mit EU-Forschungskommissar Janez Potocnik in Wien, wo die Initiative auch ein Informationsbüro haben wird.

Im Rahmen der Plattform sollen bereits laufende bzw. geplante regionale und nationale Aktivitäten mit den Westbalkanländern (Albanien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien) abgestimmt werden.

Die detaillierte Funktionsweise wird zwischen den Delegierten der 25 EU-Mitgliedsstaaten, Kandidatenländern und Westbalkanstaaten ebenfalls am vergangenen Montag in Wien ausgehandelt und festgelegt.

"Das österreichische Engagement in der Region in den letzten Jahren hat es möglich gemacht, dass wir diese Plattform heute in Wien einrichten können und Österreich so zu einer Drehscheibe zwischen Brüssel und dem Westbalkan geworden ist", lobt Gehrer.

Die Grundlage

Grundlage für die Initiative "Steering Platform" ist das South East European ERA.Net, das bereits jetzt von Österreich koordiniert wird. Und die geringen Forschungsausgaben am Balkan deutlich erhöhen soll.

Die Untersuchung "Research and Development in South East Europe" zog erst jüngst im Auftrag der Gesellschaft für Förderung der Forschung (GFF) Vergleiche mit der EU. Mit schlechtem Ergebnis für den Balkan: Innerhalb der Europäischen Union werden im Durchschnitt 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung ausgegeben. Am Balkan nicht einmal die Hälfte. Am meisten investiert noch Kroatien mit 0,75 Prozent, es folgen Serbien-Montenegro (0,52 Prozent), Bulgarien (0,50 Prozent). In Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Albanien gibt es kaum Programme. (DER STANDARD Printausgabe, 28. Juni 2006)

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