Durch die Welt laufen und online dabei

4. Juli 2006, 19:11
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Warum Pervasive Games schon häufig mit Preisen und Awards ausgezeichnet wurden, erzählt Martin Ortner im Interview

STANDARD: Was verstehen Sie unter dem Begriff Pervasive Games?

Martin Ortner: Wir verstehen darunter Spiele, wo die Realität und die virtuelle Welt miteinander verknüpft werden. Das International Center for New Media prämiert Produkte im Bereich Multimedia und E-Business. Wir organisieren unter anderem den Staatspreis für Multimedia und den Europrix Top Talent Award. Es gibt in diesem Bereich einige Produkte und Spiele, wo beide Welten stark miteinander verknüpft werden.

STANDARD: Welche dieser Spiele wurden in den letzten Jahren prämiert?

Ortner: Neben Gullivers Welt, das ja den Multimedia- und E-Business Staatspreis 2005 gewonnen hat, gab es beim Europrix Top Talent Award Auszeichnungen für zwei Pervasive Games: Neon Racer und Real Replay. Neon Racer gehört in den Bereich des Augmented Gaming (erweiterte Realität). Auf einem Bartisch müssen vier Spieler Raumschiffe durch auf dem Tisch nach Belieben platzierte reale Hindernisse navigieren. Real Replay ist ein GPS-Rennen auf dem Handy, das gegen virtuelle Gegner ausgetragen werden kann, die ihre Rennstrecken ins Internet gestellt haben. 2004 bekam The Journey einen Award. Das Schöne ist, bei dem Handy-Krimi kann man den Fall nur lösen, wenn man sich dabei bewegt. Erst wenn man 300 Meter gelaufen ist, bekommt man einen neuen Hinweis. Bei Kick Ass Kung-Fu kämpfe ich vor einer Leinwand gegen einen virtuellen Gegner aus dem Computer. Mit einer Kamera werden meine Bewegungen aufgezeichnet.

STANDARD: Was zeichnet alle diese Produkte aus?

Ortner: Alle Spiele haben einen sehr innovativen Zugang zum Thema Spielen. Und sie alle besitzen einen Bezug zur Realität. Außerdem wird hier nicht nur rein auf dem Computer gespielt - wie sonst üblich mit Maus und Tastatur. Man kann durch die Welt laufen und überall werden meine Koordinaten aufgezeichnet.

STANDARD: Welche Pervasive Games sind dieses Jahr bei den Wettbewerben dabei?

Ortner: Nächste Woche findet eine Jury-Sitzung für den Multimedia-Staatspreis statt. Es sind aber dieses Mal keine derartigen Spiele im Rennen. Beim Europrix Top Talent Award können alle Spieleerfinder ihre Entwicklungen noch bis zum 15. Juli anmelden. Deswegen kann ich dazu noch nichts sagen. (jokl/DER STANDARD Printausgabe, 28. Juni 2006)

Martin Ortner arbeitet am International Center for New Media in Salzburg.
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