"Menschlicher Scherbenhaufen"

4. Juli 2006, 15:58
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Kärntens Bischof Schwarz erregt Unmut

Klagenfurt - Gegen den Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz regt sich Unmut. Vor allem seine einsamen und oft unverständlichen Personalentscheidungen stoßen in Priester- und Laienkreisen immer mehr auf Empörung. Jüngstes Opfer ist der Klagenfurter Dompfarrer Josef Klaus Donko. Der engagierte Seelsorger und kunstsinnige Donko, der im Auftrag der österreichischen Bischofskonferenz auch den Vorbereitungslehrgang für die österreichischen Priesterseminare leitete, soll nach nur drei Jahren Wirkens in der Dompfarre nach Maria Saal versetzt werden.

Die handstreichartige Versetzung eines Dompfarrers wäre in Kärnten bisher einmalige Vorgangsweise. Kunst sei die Sache des eher bodenständigen Bischofs nicht, heißt es. Auch habe sich Donko wegen einer Diskothek in unmittelbarer Nähe des Domes allzu heftig mit dem Klagenfurter Bürgermeister Harald Scheucher angelegt. Und der Bischof wolle sich's mit dem Klagenfurter Stadtchef nicht allzu sehr verderben, nachdem er erst vor kurzem auf großformatigen Plakaten als Werbeträger für die Stadt Villach aufgetreten und prompt unter Klagenfurter Beschuss gekommen war.

Einen Nachfolger für Donko, der trotz absoluter Loyalität seinem Bischof gegenüber nicht gerade als geschmeidiger Ja-Sager gilt, soll es auch schon geben: den wesentlich biegsameren Klagenfurter Stadtpfarrer von Sankt Egid, Markus Mairitsch. In der Klagenfurter Dompfarre herrscht jedenfalls Aufruhr. Denn niemand war informiert. Aber schon heute, Mittwoch, soll die Entscheidung des Bischofs im Bischöflichen Konsistorium abgesegnet werden.

"Es ist wirklich traurig, wenn es der Nachfolger früher weiß, als die betroffene Pfarre", ärgert sich die Präsidentin der Katholischen Aktion Kärntens Eva Wernig über den autoritären Stil des Bischofs: "Zurück bleibt ein menschlicher Scherbenhaufen, den wir dann wieder aufräumen müssen."Vor allem die Art und Weise, wie der Bischof mit den Betroffenen umgehe, verstöre und demotiviere viele. Das sei teilweise menschlich verletzend und entwürdigend. In Kärntens Kirche herrsche heute ein Klima der Angst und des Misstrauens, heißt es.

Wie etwa auch im Fall des Leiters des Religionspädagogischen Instituts Bozo Hartmann. Dem anerkannten Theologen und Religionspädagogen soll die Leiterin des Katholischen Schulamts, die das Ohr des Bischofs besitze, nachfolgen. Bischof Schwarz will erst nach der Entscheidung des Konsistoriums dazu Stellung nehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2006)

von Elisabeth Steiner
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