Fatah-Funktionär Frangi: "De-facto-Anerkennung Israels durch Hamas"

29. Juni 2006, 09:42
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"EU-Gelder für Palästinenser bis jetzt nicht eingetroffen"

Wien/Hamburg - Für den Fatah-Chef in Gaza, Abdallah Frangi, der maßgeblich an der palästinensischen Einigung über ein Grundsatzpapier mitgewirkt hat, hat die radikalislamische Hamas implizit einer Zweistaatenlösung zugestimmt. In einem Interview mit "Spiegel Online" sagte Frangi: "De facto ist das eine Anerkennung (Israels), auch wenn die Hamas dies nicht ausgesprochen hat. Ziel des Dokuments ist es, die Hamas politisch in die Verantwortung zu nehmen."

Die Unterzeichnung des Einigungsdokuments werde sicherlich die Atmosphäre zwischen Fatah und Hamas insgesamt entspannen. "Das hässliche Verhältnis wird entgiftet werden", so der frühere Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Deutschland.

Vorbehalte

Der Islamische Jihad, der die Vereinbarung ablehnt, habe kein Interesse an einem Konflikt zwischen Hamas und Fatah. "Die Gruppierung hat heute eindeutig gesagt, dass sie für eine Einigung zwischen allen Organisationen sei, dass sie jedoch Vorbehalte gegen eine Einigung mit Israel habe. Ihre Ablehnung wird keinen großen Einfluss auf die palästinensische Gesellschaft haben."

Zum Beschluss der EU, den Palästinensern unter Umgehung der Hamas-Regierung 105 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, sagte Frangi, das Geld sei bis jetzt noch nicht eingetroffen. "Die Opfer des bisherigen Boykotts sind vor allem Fatah-Mitglieder, Hamas leidet nicht so sehr darunter", so Frangi. Zum derzeitigen Aufmarsch der Israelis am Gaza-Streifen meinte er: "Natürlich schmiedet die israelische Bedrohung zusammen." (APA)

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