Deutsche Bäume schießen hoch

30. Juni 2006, 16:17
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So rasch wendet sich das Blatt - Deutsche, die vor Kurzem noch keinen Cent auf ihre Kicker gaben, sind nun vom Erfolg überzeugt

München/Berlin - In Fußball-Deutschland, aber was sag ich: in Deutschland sprengt die Zuversicht vor dem WM-Viertelfinale der Mannschaft von Bundestrainer Jürgen Klinsmann am Freitag (17 Uhr) gegen Argentinien fast alle Dimensionen. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger glaubte in einer repräsentativen Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (sid) durch das Marktforschungsinstitut promit (Dortmund) an den vierten WM-Titel für die Gastgeber.

Im Zuge der grassierenden WM-Euphorie erwarten denn auch rund 87 Prozent der Befragten für das Duell mit den Südamerikanern einen Sieg. Der Achtelfinal-Erfolg von Michael Ballack und Co gegen Schweden hat den WM-Optimismus bei den deutschen Fans enorm bestärkt. 53,3 Prozent tippen mittlerweile auf die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) als Weltmeister. Vor der Partie gegen Schweden hielten 37,7 Prozent einen Heimerfolg der Klinsmann-Elf für möglich. Die Dimension des Meinungswandels machen Vergleiche mit früheren Titelgewinnertipps der Deutschen deutlich: Nach dem 1:4 Anfang März in Italien trauten den Gastgebern nur 9,0 Prozent und vor der WM-Generalprobe des DFB-Teams gegen Kolumbien auch gerade einmal 10,7 Prozent der Befragten den WM-Erfolg zu. Zum selben Zeitpunkt war Titelverteidiger Brasilien bei 54,4 Prozent der Bundesbürger mit deutlichem Abstand der größte WM-Favorit, ehe nach der Vorrunde Deutschland (37,7) die Seleção (18,6) ablöste. Durch das Duell zwischen DFB-Auswahl und Argentinien rückten die Südamerikaner mit 25,3 Prozent inzwischen wieder auf Platz zwei vor.

Gelobt sei Klinsmann

Die Skeptiker sind auch im Bereich der Frage nach dem Gesamtabschneiden der DFB-Mannschaft auf dem Rückzug. Insgesamt erwarten gut 87 Prozent mindestens den Einzug ins Halbfinale, was gegenüber den 76,3 Prozent aus der Vorwoche ein Plus für das Lager der Optimisten von 13,5 Prozent ausmacht. Naturgemäß wirken sich die bisherigen WM-Erfolge der deutschen Elf - mit vier Siegen in Folge war ein DFB-Team zuletzt 1970 in Mexiko in eine WM gestartet - auch positiv auf Jürgen Klinsmanns Ansehen aus. 84,9 Prozent bewerten die Arbeit des Teamchefs mit "sehr gut"oder "gut", sodass nach dem Schulnotensystem ein Mittelwert von 1,7 und damit die bisher höchste Anerkennung für den früheren Weltklassestürmer zu Buche steht (Vorwoche: 84,6 Prozent oder Note 1,8). Erstmals bewertete niemand mehr Klinsmanns Leistungen mit "mangelhaft"oder gar "ungenügend".

Die Gruppe jener, die der deutschen Abwehr WM-Tauglichkeit bescheinigen, wuchs von 25,3 Prozent der Befragten (nach 4:2 gegen Costa Rica) auf 79,4 Prozent. Noch besser schneiden das deutsche Mittelfeld (83,9) und der Angriff (87,3) ab. (DER STANDARD, Printausgabe, Mittwoch, 28. Juni 2006, sid, red)

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    Jens Lehmann, ein sehr wesentlicher Teil der Abwehr. Ihr attestieren nicht mehr bloß 25,3, sondern 79,4 Prozent der Deutschen WM-Reife.

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