Komplizierte Beziehungskiste auf Sozialdemokratisch

4. Juli 2006, 15:56
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Wie der SPÖ-Parlamentsklub am Zerwürfnis mit dem ÖGB leidet

Wien - Das Ausländer-Thema erregte Dienstag kaum die Gemüter der SPÖ-Klubmitglieder. Anderes geht den meisten durch den Kopf und zu Herzen: Bawag-Skandal, ÖGB-Krise - und vor allem das jüngste Zerwürfnis zwischen SPÖ und ÖGB. "Das drückt allen aufs Gemüt", sagt Familiensprecherin Andrea Kuntzl.

Die Kernfrage für viele lautet: Hatte SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer Recht mit seinem "Befreiungsschlag"gegenüber dem ÖGB? Darüber herrscht wahrlich keine Einigkeit. Während sich manche über die "unbelehrbaren" ÖGB-Spitzenfunktionäre erregen, sind andere wiederum der Meinung, eine derartige Distanzierung von der zweiten Säule der roten Bewegung in schwierigen Zeiten gleiche einer politischen Selbstbeschädigung. "Es ist ungeheuerlich, dass Beck im Präsidium zustimmt, dass keine ÖGB-Spitzenfunktionäre mehr im Nationalrat sitzen und öffentlich ist er wieder dagegen", sagt ein Präsidiumsmitglied.

Einige Wiener Abgeordnete stoßen sich daran, dass Gusenbauer ohne Not den Kandidatur-Verzicht von ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer gefordert habe. Dieser hätte ohnehin von sich aus verzichtet. Nur mit dem Unterschied, dass er auf diese Weise auch noch sein Gesicht hätte wahren können. Unterdessen erzählt man sich im SPÖ-Klub, dass sich einfache ÖGB-Mitglieder telefonisch darüber beklagt hätten, dass die Gewerkschaftsbosse "jegliche Bodenhaftung verloren" hätten. Der Grund: Die Gehaltsobergrenze von 11.000 Euro, auf die sich die ÖGB-Reformgruppe auf ihrer Klausur geeinigt hatte.

Metaller-Zentralsekretär Franz Riepl sagt dazu nur so viel: "Die Meinungen unserer Mitglieder gehen im Moment quer durch." Riepl kandidiert übrigens seit Jahr und Tag für die SPÖ als Spitzenkandidat im Wahlkreis Ottakring, Hernals, Döbling und Währing - und er hat auch vor, dies im Herbst wieder zu tun. Was er zum Streit zwischen Partei und Gewerkschaft zu sagen habe, werde er "in den Gremien tun", sagte Riepl zum Standard. Es sei schon zu viel öffentlich gesagt worden: "Es wird Zeit, dass wieder Vernunft einkehrt." (stui/DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2006)

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