Österreich-Geschäft vor Problemen

19. Juli 2006, 16:00
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Softwarehaus und Entwickler von Jointventure mit Nokia betroffen

Berlin – Die Siemens-Pläne, das Milliardengeschäft mit Telekominfrastruktur ("Com") in ein Joint-venture mit Nokia einzubringen, betreffen Siemens Österreich weit mehr, als bisher bekannt. Massiv betroffen sind nämlich nicht nur die rund 500 direkt in Fest-und Mobilfunknetzen Beschäftigten, sondern vor allem das hauseigene Softwarehaus PSE und das Ostgeschäft.

Programme-Systeme-Entwicklung beschäftigte im Geschäftsjahr 2005 weltweit 6085 Softwareingenieure – davon rund 2800 in Österreich – und generierte 519 Millionen Euro Umsatz, davon gut ein Drittel allein mit der Com-Sparte. "Bricht dieser Umsatz und das Ergebnis weg, wird das dramatisch für die PSE und damit für die ganze Siemens AG Österreich", sagt ein Siemens-Aufsichtsrat zum STANDARD. Denn mit dem Netzgeschäft, das ab Jänner 2007 ausgelagert wird, breche ein Viertel des Gesamtumsatzes (immerhin 2,5 Milliarden Euro) der Siemens AG Österreich (SAGÖ) weg.

Fest steht, dass es insbesondere bei der PSE um lokale Wertschöpfung aus Österreich geht. Tausend arbeitslose Softwareingenieure wären für den Wiener Arbeitsmarkt eine mittlere Katastrophe. Insgesamt erwirtschaftete die SAGÖ 2005 (ohne VA Tech) mit 7919 Beschäftigten ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in Höhe von 254,6 Mio. Euro. Siemens-Konzernchef Klaus Kleinfeld ist sich des gravierenden Problems für die einst wichtigste Siemens-Landesgesellschaft bewusst, er sieht zwei Lösungsansätze: Entweder die überwiegend für die Com-Sparte tätigen PSE-Mitarbeiter werden in das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) transferiert oder es müssen langfristige Lieferverträge mit NSN geschlossen werden. Ob langfristig länger als drei bis fünf Jahre bedeuten könne, wollte Kleinfeld nicht sagen. "Das muss Frau Ederer klären, das haben wir so besprochen", sagte Konzernchef Kleinfeld zum STANDARD. Dramatische Auswirkungen erwarten Insider auch bei den von Österreich betreuten Landesgesellschaften in Osteuropa. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2006)

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