Brasilien effizient aber glanzlos

27. Juni 2006, 19:25
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Weltmeister gewinnt nach Toren von Ronal­do, Adriano und Ze Ro­berto 3:0 gegen glück­lose Ghanaer, über­zeugte dabei aber nicht

Dortmund - Superstar Ronaldo hat Brasilien mit seinem Endrunden-Rekordtreffer den Weg ins Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft geebnet. Der Goalgetter brachte die "Selecao" am Dienstag in Dortmund beim 3:0 gegen Ghana in der 5. Minute in Führung und ist mit nunmehr 15 Toren vor dem Deutschen Gerd Müller (14) alleiniger Spitzenreiter der ewigen WM-Torschützenliste. Die weiteren Treffer für den Titelverteidiger erzielten Adriano (45.) aus abseitsverdächtiger Position und Ze Roberto (84.).

Der Rekord-Champion bekommt es auf dem Weg zum angepeilten sechsten WM-Triumph am Samstag mit dem Sieger aus Spanien - Frankreich zu tun. In der aktuellen Form wird für die Südamerikaner ein Titelgewinn aber schwierig, denn wie schon in den Gruppenspielen offenbarten sich beim fünffachen Titelträger vor allem in der ersten Hälfte Ideenlosigkeit in der Offensive und Unsicherheiten in der Defensive.

Dabei erwischte die Elf von Carlos Alberto Parreira einen optimalen Start. Kaka überlistete in der 5. Minute die Abseitsfalle der Afrikaner, Ronaldo ließ Ghanas Goalie Kingston aussteigen und schob zu seinem Rekord-Treffer - gleichzeitig sein dritter im laufenden Turnier - ein. Acht Minuten später war Ghanas Viererkette wieder schlecht postiert, Adriano marschierte allein auf Kingston zu, verschmähte allerdings den frei stehenden Ronaldo und versuchte, gegen Kingston einen Elfer herauszuschinden, was ihm eine Gelbe Karte einbrachte.

Nach passablem Beginn schlich sich der Schlendrian ein, und die einzige im Bewerb verbliebene afrikanische Mannschaft kam dem Ausgleich einige Male nahe. Amoah (24./daneben, 29./Dida rettete) hatte mit Schüssen Pech, die beste Chance für die Ghanaer, die ohne ihren gesperrten Star Essien antreten mussten, vergab jedoch Mensah. Der Verteidiger kam in der 42. Minute nach einem Corner völlig frei zum Ball, köpfelte aber Dida aus kurzer Distanz auf den rechten Fuß.

Die Bestrafung für die vergebenen Möglichkeiten folgte drei Minuten danach, und zwar auf "brutale" Art und Weise. Wieder einmal schnappte die Abseitsfalle nicht zu und Cafu bediente Adriano, der aus äußerst abseitsverdächtiger Position knapp vor dem Tor mit dem Oberschenkel zum 200. WM-Tor für Brasilien traf. Der Inter-Angreifer war bereits aus dem passiven Abseits in den gegnerischen Strafraum gestartet.

Der Gegentreffer kurz vor der Pause verfehlte nicht seine Wirkung auf die Moral des zuvor aufopfernd kämpfenden WM-Debütanten. Die Angriffe versandeten in der zweiten Hälfte zumeist schon vor dem Sechzehner, mehr als Halb-Chancen durch Gyan (68.) und Amoah (82.) waren nicht mehr drin.

Die Brasilianer agierten nach dem Seitenwechsel staubtrocken, erhöhten nach abermals misslungener Abseitsfalle durch Ze Roberto (84.) noch auf 3:0 und ließen erst in der Schlussphase erahnen, zu welchen fußballerischen Glanztaten sie in der Lage sind.

Durch den Erfolg halten die Brasilianer gegen afrikanische Mannschaften bei einer WM-Bilanz von fünf Siegen in fünf Spielen ohne Gegentor. Für den afrikanischen Fußball heißt es dagegen endgültig Abschied nehmen aus Deutschland. Nur eines von fünf Teams erreichte das Achtelfinale - und das vier Jahre vor der Heim-WM in Südafrika. (APA)

Achtelfinale:

  • Brasilien - Ghana 3:0 (2:0)
    FIFA-WM-Stadion Dortmund, 65.000 Zuschauer (ausverkauft), SR Lubos Michel (SVK).

    Torfolge:
    1:0 ( 5.) Ronaldo
    2:0 (45.) Adriano
    3:0 (84.) Ze Roberto

    Brasilien: Dida - Cafu, Lucio, Juan, Roberto Carlos - Kaka (83. Ricardinho), Emerson (46. Gilberto Silva), Ze Roberto, Ronaldinho - Ronaldo, Adriano (61. Juninho)

    Ghana: Kingston - Pantsil, Mensah, Shilla, Pappoe - Draman, E. Addo (60. Boateng), Appiah, Muntari - Amoah (70. Tachie-Mensah), Gyan

    Gelb-Rote Karte: Gyan (81./Unsportlichkeit)
    Gelbe Karte: Adriano, Juan bzw. Appiah, Muntari, Pantsil, Addo

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Adriano (li) und Ronaldinho zeigten nicht besonders viel, aber es reichte dennoch locker.

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