Gashub mit angeschlossenen Untergrundspeichern

4. Juli 2006, 12:20
3 Postings

Baumgarten an der March hat sich zu einer internationalen Gas-Drehscheibe entwickelt

Baumgarten an der March hat sich zu einer internationalen Gas-Drehscheibe entwickelt. Über diesen Knoten kommt nicht nur ein Großteil des österreichischen Importgases herein, auch ein Drittel der russischen Exportmengen werden durchgeschleust.

***

Baumgarten/March – Die Sonne knallt unbarmherzig auf den kurz geschnittenen, bräunlich verfärbten Rasen. Ein Feldhase macht sich Haken schlagend aus dem Staub. Fast knallt er in die aufgetürmten Sandsäcke, Zeugen der Gefahr, die im April von der Hochwasser führenden March ausgegangen ist.

"Wir sind trocken geblieben, das Gebiet ist nicht überschwemmt worden", sagt Johann Elnrieder, Leiter der OMV-Gasstation Baumgarten an der niederösterreichisch-slowakischen Grenze, zum STANDARD. "Statt des Wassers sind die Gelsen gekommen, und das nicht zu knapp."

Baumgarten ist Österreichs größte Import- und Übernahmestelle von Erdgas. Hier kommt rund 80 Prozent des in Österreich benötigten Gases herein. Etwa 20 Prozent des Jahresgasverbauchs stammen aus inländischer Förderung.

"Baumgarten war auch einmal ein lokales Gasfeld" erzählt Elnrieder. Wo seit dem fernen 1958 Gas entnommen wurde, wird inzwischen Gas eingepumpt: in die unterirdischen Kavernen im nahe gelegenen Zwerndorf zum Beispiel oder in den wenige Kilometer entfernten Speicher Schönkirchen. Das Gas, das in Baumgarten über fünf parallel verlegte, einen halben bis gut einen Meter dicke Rohre hereinkommt, hat meist mehrere tausend Kilometer Fliesstrecke hinter sich. Es stammt großteils aus einem großen Feld auf der Jamal-Halbinsel im hohen Norden Russlands. Mit einer Geschwindigkeit von 35 km in der Stunde strömt es durch die Rohre. Eingangs wird die Qualität kontrolliert. Ist das Gas zu nass, wird es in einem speziellen Verfahren getrocknet. Das Gas geht durch eine Filtergruppe und wird dort nochmals gereinigt. Erst dann erfolgt die Messung und Verrechnung.

Von russischer Seite sind drei Mitarbeiter in der Station, von slowakischer Seite einer. Sie kontrollieren die Messeinrichtungen und schauen, ob die Verrechnung stimmt. Die OMV selbst beschäftigt in der Station 43 Mitarbeiter. "Früher gab es auch hier Rund-um-die-Uhr-Betrieb, inzwischen ist die Station nur mehr von 6.30 bis 16.30 Uhr besetzt", sagt Elnrieder.

Datenzentrum Wien

Überwacht wird die Anlage vom Sitz der OMV Gas im Wiener Florido Tower aus. "Dort laufen sämtliche Daten zusammen", sagt Elnreider.

Elnrieder ist seit 1973 bei OMV Gas. In jenem Jahr wurde mit dem Bau der Trans Austria Gaspipeline (TAG) begonnen, über die Italien versorgt wird. 1980 folgte die West-Austria-Gasleitung (WAG), über die Deutschland und Frankreich beliefert werden, 1996 die Hungaria-Austria-Gasleitung (HAG). Rund ein Drittel der russischen Gasexporte Richtung Westen gehen über Baumgarten.

Herzstück der Anlage ist die Verdichterstation. Hier wird das Gas komprimiert und in engen Röhren Richtung Süden oder Westen geschickt. Die nächste Herausforderung wird das Andocken der Nabucco-Pipeline sein, über die ab 2011 Gas von der Türkei nach Baumgarten kommen soll. Elnrieder: "Dafür haben wir schon ein Grundstück reserviert." (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2006)

  • In turmhohen Behältern wird Gas in einem speziellen Verfahren getrocknet,  gereinigt, kompromiert und in Pipelines gepresst zum Weitertransport.
    foto: günther strobl

    In turmhohen Behältern wird Gas in einem speziellen Verfahren getrocknet, gereinigt, kompromiert und in Pipelines gepresst zum Weitertransport.

Share if you care.