Wissen: 50er drängt Gott hinaus

29. Juni 2006, 11:31
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Abmontieren der Ortstafeln hat weitreichende Folgen

Macht es einen Unterschied, ob am Ortsanfang eine Ortstafel steht oder nur eine 50er-Beschränkung? Ja, einen großen. Verkehrstechnisch hätte das Abmontieren der Ortstafeln, wie es Jörg Haider zur Vermeidung zweisprachiger Ortstafeln praktizieren will, weitreichende Folgen.

Die Straßenverkehrsordnung (StVO) definiert eine "Ortstafel" so: "Dieses Zeichen gibt den Namen eines Ortes an und ist jeweils am Beginn des verbauten Gebietes anzubringen." Als Ortsgebiet gilt "das Straßennetz innerhalb der Hinweiszeichen ,Ortstafel'und ,Ortsende'", als Freilandstraße demnach alles, was "eine Straße außerhalb von Ortsgebieten"ist.

Für Straßen im Ortsgebiet gelten ganz spezielle StVO-Bestimmungen, die bei einer 50er-Tafel "nicht mehr anwendbar wären", erklärt Verfassungsjurist Heinz Mayer.

So ist etwa Umkehren auf Vorrangstraßen im Ortsgebiet, ausgenommen auf geregelten Kreuzungen, verboten; mit 50er-Schild nicht. Ohne Ortstafel gälte das Fernlichtverbot im Ortsgebiet nicht mehr, ebenso wie das Zufahrverbot zum linken Fahrbahnrand.

Der 50er würde quasi auch Gott aus dem Ortsgebiet verdrängen. Zum Stichwort "Gottesdienst" sagt die StVO: "Dieses Zeichen darf nur innerhalb des Ortsgebietes angebracht werden." Immerhin, die Kirche bleibt weiter im Dorf. (nim/DER STANDARD, Printausgabe, 28.6.2006)

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