Schlussverkauf nonstop rund um Wien

13. Juli 2006, 10:30
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Österreich hat europaweit einen Spitzenplatz bei der Einkaufszentrendichte. Trotzdem wird munter weitergeplant

Österreich hat europaweit einen Spitzenplatz bei der Einkaufszentrendichte. Trotzdem wird munter weitergeplant. Der Pionier der Szene, die Shopping City Süd, kommt im 30. Jahr des Bestehens besonders unter Druck. Denn in Ostösterreich entstehen weitere Großstandorte.

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Oben: Ein vom Computer generiertes Bild der Sale City Süd, des permanenten Abverkaufszentrums der SCS in Vösendorf südlich der Bundeshauptstadt. Unten: So soll der zukünftige Zentralbahnhof in Wien aussehen, für den die ÖBB_auch mindestens 20.000 m2 an Retailfläche vorsehen. Fotos: SCS, ÖBB Immobilien

Wien – Ein Viertel der Österreicher und Österreicherinnen bezeichnet sich einer Umfrage des Institutes Markant gemäß selbst als "Schnäppchenjäger". Dieser Einstellung entsprechend sehen auch die jüngsten Einkaufszentrenprojekte aus: Die Shopping City Süd in Wiener Neudorf, europaweit eine der größten Ansammlungen von Verkaufsflächen, gab am Dienstag bekannt, bereits am 29. September dieses Jahres die neue "Sale City Süd" eröffnen zu wollen. Dies wird eine permanente Abverkaufsfläche, betrieben von bestehenden und ein paar neuen Mietern der SCS. Insgesamt werden es rund vierzig Geschäfte – vor allem Kleidung, Schuhe, Accessoires und Sportartikel –, die ihre Altware billiger abgeben werden.

Flächenverwertung

Für die Sale City nützt die SCS die Hälfte des Areals der Motor City, deswegen sind keine Neubauten, sondern lediglich Umbauten erforderlich. Die Motor City wurde Mitte der 90er im Norden des SCS-Areals gegründet, kam aber als Konzept nie richtig auf Touren. Die bestehenden Autohandelsbetriebe (Mercedes, Smart, Citroën, bald Maserati und Aston Martin) bleiben.

Die SCS – sie wird heuer im September 30 Jahre alt – kam in jüngster Zeit ins Gerede, weil Investmentfonds, die derzeit offenbar Geld im Überfluss haben, sie zum Ziel ihrer Begierde erklärt hatten (der Standard berichtete). Abgesehen davon, dass die Bausubstanz schon Zeichen des Alters zeigt, kommt der Pionier der heimischen Shopping Malls auch durch andere Großprojekte unter Druck.

Da wäre zunächst einmal das nach ersten Planungen 54.000 Quadratmeter große (SCS: 110.000 m2) Einkaufszentrum Gerasdorf nördlich von Wien, deren Bau und Konzeption von der BAI (Bank Austria Creditanstalt) sowie Ekazent und dem Baumarktkonzern Hornbach in Angriff genommen wird. Das Projekt befindet sich derzeit in der Phase der Umweltverträglichkeitsprüfung, sollte alles wie geplant verlaufen, will man im Herbst 2009 eröffnen.

Ebenfalls spüren wird die SCS den Bau eines Einkaufszentrums unter dem projektierten neuen Wiener Zentralbahnhof (heute: Südbahnhof). Denn derzeit fließt viel Kaufkraft aus Wiens bevölkerungsreichsten Bezirk Favoriten in die südlich gelegene SCS. Sollten die ÖBB aus dem Zentralbahnhofs-Zentrum mehr als nur ein Nahversorgungszentrum machen, könnte viel davon in der Stadt gebunden werden, sagen Experten. Man vermutet auch, dass vom Mietermix und Flächenangebot her ein überregional ausgerichtetes Center geschaffen werden soll, auch um das vor einiger Zeit neu eröffnete Columbus-Center in der Favoritenstraße nicht zu kannibalisieren. Betreiber gibt es noch keinen, dem Vernehmen nach hat der deutsche Centerriese ECE (Otto-Gruppe) beste Chancen.

Bewegung bei Outlets

Die Übernahme des Konkurrenten "Bigg" am Standort Parndorf durch den Platzhirschen McArthurGlen hat zudem Bewegung in die heimische Factory-Outlet-Szene gebracht. Branchenbeobachter glauben, dass auch der Standort Leobersdorf ("Leoville") bald von McArthurGlen gemanagt werden könnte. Beide Seiten – einander aufgrund harter Konkurrenz nicht gerade grün – dementieren. Doch auch der Bigg-Investor, der Tiroler Jungtycoon Rene Benko lieferte sich Duelle mit Mc-ArthurGlen, bevor er sein Projekt an deren langjährige Partner Warburg-Henderson verkauft hatte. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2006)

  • Ein vom Computer generiertes Bild der Sale City Süd, des permanenten Abverkaufszentrums der SCS in Wiener Neudorf südlich der Bundeshauptstadt.
    foto: scs

    Ein vom Computer generiertes Bild der Sale City Süd, des permanenten Abverkaufszentrums der SCS in Wiener Neudorf südlich der Bundeshauptstadt.

  • So soll der zukünftige Zentralbahnhof in Wien aussehen, für den die ÖBB auch mindestens 20.000 m2 an Retailfläche vorsehen.
    foto: öbb immobilien

    So soll der zukünftige Zentralbahnhof in Wien aussehen, für den die ÖBB auch mindestens 20.000 m2 an Retailfläche vorsehen.

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