Das Josefstädter Gelderlösungsspiel

6. Juli 2006, 15:57
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Wie Direktor Föttinger Mittel lukriert

Wien - Um großzügige Umbau- und Revitalisierungsvorhaben ins Werk setzen zu können, greifen die Verantwortlichen des Theaters in der Josefstadt auf die avanciertesten Einsichten der Ökonomie zurück. Das im Beisein von Stiftungsvertreter Günter Rhomberg und Bald-schon-Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger gestern im Palais Coburg präsentierte Finanzierungskonzept erinnerte an die "theologischen Mucken" (Marx) der Mehrwertbildung:

Die Totalsanierung erfordert einen Finanzaufwand von 18,3 Millionen Euro. Von diesem stolzen Betrag steuern die Gemeinde (6,5 Millionen) und der Bund (5,6 Millionen) den Löwenanteil bei. Das übrige Drittel (6,2 Millionen) ist die Josefstadt angehalten, selbst aufzubringen: Immerhin sollen nicht nur alte Leitungskabel erneuert, sondern die Plüschsitze menschengerecht versetzt und eine Probebühne über den Sträußelsälen errichtet werden.

Ein Generalsponsor in Gestalt des Investors und Stiftungsinhabers Peter Pühringer verspricht nun, Geld aus Geld zu erlösen. Kreditgelder der Hausbank Bank Austria Creditanstalt werden von Pühringer dergestalt "produktiv gemacht", dass aus Depoterlösen und Bindungsleistungen binnen vier Jahren vier Millionen Euro lukriert werden, die der Probebühne zugute kommen sollen.

In den fiskalpolitischen Ausführungen schwang vonseiten Rhombergs und des Josefstadt-Geschäftsführers Alexander Götz auch viel Vertrauen mit: Die Stiftung, die sich als Josefstadt-"Volleigentümer" definiert, haftet ihrerseits für etwas, "was wir noch nicht haben" (Rhomberg). Der vergleichsweise mickerige Geldrest von 2,2 Millionen Euro soll von hochmögenden Donatoren im Wege einer Fundraising-Aktion aufgebracht werden. Titel: "RenoWIRen". Und der designierte Direktor Föttinger, der auf der Probebühne auch Uraufführungen erarbeiten will? Schwelgte nicht nur in Reminiszenzen an ehemalige Ausweichquartiere, sondern ließ bewusst keinen Zweifel: In der Josefstadt stehen Umwälzungen an, die einst eines Max Reinhardt und eines Camillo Castiglioni würdig waren. (poh/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 6. 2006)

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