Diskussion über öffentliche Whois-Daten

4. Juli 2006, 10:26
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Zugriff auf Datenbank wichtig für Verfolgung Krimineller

Der öffentliche Zugang auf Whois-Daten steht auf dem seit gestern, Montag, in Marrakesh stattfindenden Treffen der Internet-Verwaltungsbehörde ICANN einmal mehr zur Diskussion. Der ICANN-Regierungsbeirat GAC (Government Advisory Committee) arbeitet an einem Grundsatzpapier zu diesem Thema. Überlegungen der ICANN, den Zugriff auf die Inhaberdaten zu beschränken, stoßen bei einigen Behörden auf Widerstand. So besteht die US-Handelskammer FTC (Federal Trade Commission) darauf, dass der freie Zugriff auf Whois-Daten für die Durchsetzung von Verbraucherrechten unabdingbar sei.

Infos

Im Whois werden Informationen zum Domainbesitzern, Ansprechpartern und den zuständigen Technikadministratoren festgehalten und stehen somit jedermann öffentlich zur Abfrage bereit. Geht es nach den Überlegungen von ICANN, so würden diese Daten in Zukunft nur mehr für technische Fragen zur Verfügung stehen, denn das Whois sei nur eine Hilfs-Datenbank, um das reibungslose technische Funktionieren des Internets sicherzustellen. Dagegen wehren sich weltweit Behörden, die auf die Datensätze zurückgreifen, um kriminelle Handlungen aufzudecken.

Pfeiler des Netzes

"Das Whois ist ein wichtiger Pfeiler für die Transparenz des Internets", meint Barbara Schlossbauer, Leiterin der Rechtsabteilung bei der österreichischen Internetverwaltung nic.at, im Gespräch mit pressetext. "Es gewährt jedermann Einblick, wer hinter einer bestimmten Webseite steht. Schon allein im Hinblick auf die durch das Mediengesetz geforderte Impressumspflicht von Webseiten, ist das Whois eine wichtige Informationsquelle", so Schlossbauer.

FTC-Kommissar Jon Leibowitz führt vor allem das Vorgehen gegen Spammer und Online-Piraten an, das durch die Datenbank erheblich erleichtert werde. "Die Whois-Datenbank war für unsere Ermittler in den vergangenen zehn Jahren oftmals die erste Informationsquelle, um Verdächtige zu identifizieren. Mit diesen Daten konnten wir Kriminelle aufspüren und deren Aktivitäten stoppen", so Leibowitz. Sofern die Daten geflegt seien, würden sie eine große Hilfe für die Ermittlungsbehörden darstellen, argumentiert die FTC. Aber selbst falsche Informationen hätten schon Hinweise enthalten, die letztendlich zu einer Verurteilung geführt haben. Eine Beschränkung des Zugriffs auf die Daten würde daher Ermittlungsbehörden deutlich behindern.

Spammer

Oft diskutiert wird auch die Möglichkeit des "Aberntens" von Whois-Einträgen, um an E-Mailadressen zu kommen, die dann an Spammer weiterverkauft werden und somit eine Hauptquelle für E-Mail-Müll darstellen. Hier bieten einige Registrare die Möglichkeit Telefonnummer und E-Mailadresse auszublenden. "Uns liegen die Daten für den Notfall vor, öffentlich zugänglich ist dann nur mehr die Postadresse des Domaininhabers", so Schlossbauer. Zur Aktualität der Daten befragt, meint die Juristin: "Unsere AGBs schreiben eine Aktualisierung durch den Inhaber vor. Gegen "Micky-Mouse"-Einträge gehen wir natürlich vor, jedoch können wir nicht alle Daten selbst überprüfen." 80 Prozent der Daten würden jedoch ohnehin bei Providern vorliegen und "diese haben ein natürliches Interesse, ihre Daten aktuell zu halten", so Schloßbauer abschließend gegenüber pressetext. (pte)

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