Sorge vor steigenden Zinsen in USA und EU

11. Juli 2006, 13:51
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Die erwartete US-Zinserhöhung am Donnerstag, aber auch deutliche Signale einer rascheren und stärkeren Zinsanhebung in Europa verunsichern derzeit die internationalen Aktienmärkte

New York/Wien – Am Donnerstag steht wieder einmal eine Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed an. Die meisten Volkswirte rechnen mit einer Anhebung um 0,25 Prozentpunkte. Spekuliert wird aber an den Devisenmärkten auch darüber, ob Fed-Chef Ben Bernanke die US-Leitzinsen nicht gleich um 0,5 Prozentpunkte auf dann 5,5 Prozent anhebt.

Die Aussicht auf weiter steigende Zinsen hat die Anleger an den Aktienmärkten am Dienstag jedenfalls verunsichert. Dazu kommen die Aussagen von Mitgliedern der EZB, die auf weitere Zinserhöhungen auch im Euro-Raum hindeuten. Und: Im Juni stieg darüber hinaus auch der Ifo-Geschäftsklimaindex, obwohl Analysten einen Rückgang vorausgesagt hatten. All diese Signale drücken die Stimmung der Börsianer, weil steigende Zinsen über den Effekte teurer werdender Kredite als Konjunkturbremse gesehen werden. "Der überraschende Ifo-Anstieg hat die Angst vor weiteren Zinserhöhungen geschürt", sagte ein Börsianer.

Erhöhungen von Leitzinsen würden die Aktienmärkte jedoch nur kurzfristig irritieren, sagt der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck. Er geht davon aus, dass der Zinsabstand zwischen der Eurozone und den USA in absehbarer Zeit geringer werden wird.

Die Erste Bank erwartet für heuer noch zwei Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB), jeweils eine im dritten und vierten Quartal, im Ausmaß von jeweils 0,25 Prozentpunkten. 2007 sollte es in der Eurozone laut Erste Bank noch zu zwei weiteren Zinserhöhungen um 0,25 Prozentpunkten kommen. Nach einer weiteren Zinserhöhung im ersten Quartal 2008 sollte dann der Höhepunkt mit einem Leitzins von 4,0 Prozent erreicht werden. Es könnte aber auch anders kommen: Die (EZB) könnte laut ihrem Ratsmitglied Nicholas Garganas die Zinsen auch stärker und früher anheben als bisher erwartet – also um mehr als 0,25 Prozentpunkte. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2006)

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