EU-Maßnahmen gegen Milliarden-Schäden durch Hochwasser

30. Juni 2006, 16:20
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Neue europäische Regelung soll Schutzmaßnahmen forcieren - Test für EU-Hochwasservorwarnsystem läuft

Luxemburg/Brüssel/Wien - Hochwasserschutz wird künftig auch ein Thema für die Europäische Union werden. Jedes Jahr entstehen durch Hochwässer Schäden in Milliardenhöhe. Das soll nun reduziert werden. Hat die Union bisher nur Hilfsgelder für Flutopfer ausbezahlt, wird es in Zukunft auch Regeln geben, wie sich die Mitgliedstaaten auf die Gefahr vorbereiten sollen.

"Durch den Klimawandel sind die Menschen intensiver als je zuvor von der Hochwasser-Bedrohung betroffen", sagte Umweltminister Josef Pröll beim letzten EU-Rat unter Österreichs Vorsitz. Durch die künftig bessere Planung sollen "Menschen und Hab und Gut effektiver geschützt werden", so Umweltkommissar Stavros Dimas am Dienstag in Luxemburg.

Die EU-Umweltminister haben sich am Dienstag einstimmig auf einen Stufenplan geeinigt: Bis Ende 2012 sollen die EU-Staaten nun ihre individuelle Bedrohung durch Hochwässer bewerten. Bis spätestens Ende 2013 sollen dann in jedem Land "Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten" erstellt werden und bis spätestens 2015 soll es dann EU-weit koordinierte "Pläne für das Hochwasserrisikomanagement" geben.

"Hochwasser-Schutzprojekte künftig gemeinsam durchzuführen"

Mehr als 80 Prozent der europäischen Flüsse fließen durch mehr als ein Land. Als größter Fortschritt der neuen Richtlinie gilt daher, dass sich die EU-Länder in Zukunft bei Hochwasserschutzmaßnahmen untereinander abstimmen müssen. "Die EU-Staaten haben Hochwasser-Schutzprojekte künftig gemeinsam durchzuführen", betonte Pröll. Errichtet ein Land am Oberlauf des Flusses etwa Dämme, muss es berücksichtigen, dass dadurch das Wasser nicht in das Nachbarland im Unterlauf des Flusses gedrückt werden darf. Für die Verschiebung des Problems in den Unterlauf gibt es in der Richtlinie "ein klares Verbot", sagte der Umweltminister.

Außerdem sollen die Staaten den Informationsaustausch intensivieren. Die Hochwasserwarnungen und Vorhersagen sollen so verbessert werden. Parallel dazu hat die EU-Kommission bereits ein europäisches Hochwasservorwarnsystem in Betrieb genommen, dass bis 2010 in Vollbetrieb gehen soll.

Der zuständige Parlamentsberichterstatter, der ÖVP-Europaabgeordnete Richard Seeber, hält eine endgültige Einigung mit dem Rat in zweiter Lesung noch vor Jahresende "für durchaus denkbar". Die Schäden, so Seeber, werde man dadurch in Zukunft deutlich senken können. "Wenn man das Hochwasser zwei bis vier Stunden früher erkennt und frühzeitig reagiert, können die Schäden um 40 Prozent gesenkt werden", sagte der EU-Parlamentarier zur APA.

In den vergangenen Jahren haben Hochwasser-Katastrophen in Europa Schäden von zig Milliarden Euro verursacht. Nach offiziellen Daten wurden von 1998 bis 2002 mehr als hundert Hochwässer in der EU verzeichnet. Alleine der versicherte Schaden betrug mehr als 25 Mrd. Euro, die unversicherte Schäden machten ein Vielfaches davon aus. Mehr als 700 Menschen sind in diesem Zeitraum durch die Hochwässer ums Leben gekommen, eine halbe Million Menschen verlor vorübergehend ihr Dach über dem Kopf.

In dieser Statistik noch nicht berücksichtigt sind die schweren Hochwasserschäden von 2005. Allein in Österreich haben diese nach vorläufigen Schätzungen knapp 600 Mio. Euro Schaden verursacht, in Rumänien 1,5 Mrd. Euro und in Bulgarien 460 Mio. Euro. (APA)

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