Erste Bank: Zinserhöhungen irritieren nur kurzfristig

11. Juli 2006, 13:50
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Erhöhungen von Leitzinsen würden die Aktienmärkte nur kurzfristig irritieren, so der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck

Wien - Erhöhungen von Leitzinsen würden die Aktienmärkte nur kurzfristig irritieren, so der Chefanalyst der Erste Bank, Friedrich Mostböck, am Dienstag in Wien vor Journalisten. Über einen längerfristigen Horizont hätten Aktien in Zinserhöhungsphasen ziemlich unbeeindruckt positiv performt. Mostböck geht davon aus, dass der Zinsabstand (Spread) zwischen Euroland und den USA geringer werden wird.

Während in den USA der Zinshöhepunkt schon erreicht sein sollte, erwartet der Erste Bank-Experte für heuer noch zwei Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB), jeweils eine im dritten und vierten Quartal, im Ausmaß von jeweils 25 Basispunkten. In den USA könnte es dagegen wieder in den "Rückwärtsgang" gehen, so Mostböck. 2007 sollte es im Euroland zu zwei weiteren Zinserhöhungen um 25 Basispunkte kommen. Nach einer weiteren Zinserhöhung im ersten Quartal 2008 sollte dann der Höhepunkt mit einem Leitzins von 4,0 Prozent erreicht werden.

Langfristiger Aufwärtstrend intakt

Hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Ölpreises geht die Erste Bank davon aus, dass der langfristige Aufwärtstrend weiter intakt ist. Risiken lägen geopolitisch im Iran und Irak, auch die "Hurrican Season" könnte durch Schäden den Ölpreis nach oben treiben. Andererseits schwäche sich das Konsumwachstum in den USA ab, was auch den Ölpreis abschwäche. Der US-Ölpreis wird in einer Bandbreite zwischen 65 und 75 Dollar je Fass erwartet.

Für die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft geht die Erste Bank für 2006 von einer erstmals deutlichen Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf 3,0 Prozent von zuvor 3,6 Prozent aus. 2007 sollte sich das Wachstum weiter auf 2,4 Prozent abschwächen. Das sollte reichen, um die Inflation in Zaum zu halten.

Export und privater Konsum

Die Konjunktur im Euroland sollte dagegen sowohl vom Export als auch privaten Konsum getragen werden. Die Erste erwartet für 2006 und 2007 Wachstumsraten von jeweils 2,1 Prozent. Die höhere Inflation bleibe verkraftbar, da es noch zu keinen Zweitrundeneffekten kommt.

Im zweiten Halbjahr werde es sehr wahrscheinlich zum Aufholen der jüngsten Kursrückgänge kommen. Im Euroland sei das Umfeld dafür noch günstiger, europäische Aktien sollten besser performen als US-amerikanische, so Mostböck.

Am US-Aktienmarkt werde sich das Gewinnwachstum der S&P 500 Unternehmen von 15 Prozent im Jahr 2005 auf 13,6 bzw. 10,7 Prozent in 2006 bzw. 2007 abschwächen. Die hohe Anzahl von positiven Gewinnrevisionen sollte den Aktienmarkt jedoch bestärken, im zweiten Halbjahr sei ein Aufholen der jüngsten Kursrückgänge zu erwarten. Ein Argument für US-Aktien sei das historisch günstige Niveau mit einem aktuellen KGV von 13,9 für den S&P 500 und 21,0 für den Nasdaq100.

Wirtschaftsklima verbessert

Im Euroland habe sich das Wirtschaftsklima für die Konjunkturlokomotive Deutschland und die gesamte Eurozone deutlich verbessert. Das Gewinnwachstum der Eurostoxx-Unternehmen werde sich von 24,4 Prozent 2005 auf 11,7 Prozent und 10,7 Prozent in den beiden Folgejahren abschwächen. Nach den jüngsten Abschläge seien die aktuellen Bewertungen historisch günstig. Das KGV des Eurostoxx betrage 12,2, des DAX 11,8. Das fundamentale Bild sei absolut in Ordnung. Mostböck erwartet im zweiten Halbjahr ein Herantasten an die Höchststände.

Sowohl in den USA als auch im Euroraum seien Aktien gegenüber Renten unter Renditegesichtspunkten nach wie vor als fundamental deutlich attraktiver einzustufen, so Mostböck.

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