"EU-Einstufung der Befreiungstiger als Terroristen ist einseitig"

Redaktion, 21. August 2006, 17:31
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    foto: ap/john mcconnico

    Demonstration in Dänemark gegen die Einstufung der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) als Terrorgruppe durch die EU. Proteste waren Teil eines europaweiten Aktionstages am 29. Mai 2006 von Exil-Tamilen, um die Regierung von Sri Lanka aufzufordern, die Ermordung von Zivilisten zu beenden.

Suthagar Sivaganam, Vertreter einer tamilischen Jugend­organisation, im derStandard.at- Interview: "Singha­lesische Regierung soll Doppelmoral aufgeben"

Die Anschläge der "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) seien zwar nicht zu rechtfertigen, die Einstufung der Gruppe von Seiten der EU als "Terroristen" sei jedoch "einseitig", meint Suthagar Sivaganam, Vertreter einer tamilischen Jugenorganisation in Deutschland, im Interview mit derStandard.at. Er beschuldigt die singhalesische Regierung Sri Lankas bei Anschlägen die Schuld auf die LTTE zu schieben, ohne dafür Beweise vorbringen zu können und fordert "ehrliche" Verhandlungen mit den Tamilen. Die Fragen stellten Sonja Fercher und Rainer Schüller.

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derStandard.at: Offiziell gilt ein Waffenstillstand zwischen der Regierung Sri Lankas und der LTTE, allerdings wurde bei einem Anschlag vor wenigen Tagen neuerlich ein hoher Militär getötet. Warum brechen die Befreiungstiger den Waffenstillstand?

Suthagar Sivaganam: Bisher konnte die Regierung nicht eindeutig beweisen, dass die LTTE in diese Sache verwickelt ist. Immer wieder versucht sie, die Schuld auf LTTE zu schieben, um diese in Misskredit zu bringen. Der letzte Anschlag ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Regierung ohne zu zögern die LTTE beschuldigt.

Es gibt zahlreiche Beweise, dass die sri-lankischen Truppen den Waffenstillstand gebrochen haben, erst vor ein paar Wochen haben Soldaten zwei Kinder und ihre Eltern kaltblütig ermordet.

derStandard.at: Kofi Annan warnte kürzlich davor, dass ein neuer Bürgerkrieg bevorstehen könnte. Wiederholt sich die Geschichte?

Sivaganam: Es ist sehr bedauerlich zu hören, dass ein neuer Bürgerkrieg unvermeidlich wird. Wir Tamilen möchten nicht, dass die Geschichte sich wiederholt. Die singhalesische Regierung soll ihre Doppelmoral aufgeben und uns zeigen, dass sie wirklich den Frieden will.

derStandard.at: Was sind eigentlich die Anliegen der Tamilen?

Sivaganam: Die Tamilen möchten ein unabhängiges Land haben und wollen ihre Zukunft selbst bestimmen. Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass die singhalesische Regierung niemals unsere Rechte gewährleisten kann.

derStandard.at: Wie ist die Meinung bei der tamilischen Bevölkerung? Hat die LTTE hier noch Unterstützung?

Sivaganam: Die Mehrheit der Tamilen im Ausland sieht die LTTE als ihre politische Vertretung.

Während des 20-jährigen Bürgerkriegs starben mehr als 70.000 Menschen, über 90 Prozent davon waren Tamilen. Immer noch wird Sri Lanka als Urlaubsparadies dargestellt. Aber wer im Nordosten des Landes war, weiß ganz genau, dass die einheimischen Tamilen täglich in Angst leben. Viele haben ihre Häuser verloren und leben im Flüchtlingslager.

Zudem lebt das tamilische Volk zerstreut auf der ganzen Welt: In Kanada leben über 250.000 Tamilen, in England fast 200.000, in Indien leben über 150.000 tamilische Flüchtlinge aus Sri Lanka, auch in Deutschland gibt es circa 65 000 Tamilen. Ob sie die LTTE unterstützen oder nicht, ist eine andere Frage. Aber niemals können wir der sri-lankischen Regierung vertrauen.

derStandard.at: Sind die Anschläge der LTTE Ihrer Meinung nach gerechtfertigt?

Sivaganam: Die Anschläge auf Zivilisten hat die LTTE stets verurteilt. Ich werde solche Anschläge auch nicht unterstützen bzw. rechtfertigen.

derStandard.at: Bei dem Anschlag im April hat eine andere Gruppierung als die LTTE namens "High Security Zone Residents' Liberation Force (HSZRLF)" die Verantwortung übernommen. War wirklich eine andere Gruppierung am Werk oder versucht die LTTE nur abzulenken?

Sivaganam: Leider kann man nicht viel über diese Gruppe sagen, weil sie nicht genau identifiziert wurde. Aber es ist uns klar, dass diese Gruppe gegen die Unterdrückung von sri-lankischen Soldaten kämpft, man kann sie also als Anti-Regierungs Gruppe bezeichnen.

Die Soldaten demütigen die tamilische Jugend beziehungsweise Männer, regelmäßig werden tamilische Frauen in den Soldaten kontrollierten Gebieten sexuell belästigt. Viele werden ohne einen Grund verdächtig und erschossen. In den letzten Monaten wurden sehr viele Tamilen in Jaffna und außerhalb erschossen und hinterher sagt die Regierung "das waren LTTE-Mitglieder". So hat die Regierung in der Vergangenheit immer ihre Taten gerechtfertigt. Das schafft den Nährboden für die Entstehung einer Gruppe.

derStandard.at: Die LTTE hat kürzlich ein Gesprächsangebot der Regierung ausgeschlagen, wollen sie keinen Frieden?

Sivaganam: Die Regierung und viele westliche Medien haben die ganze Sache falsch interpretiert: In Wirklichkeit war und ist die LTTE immer zu Verhandlungen bereit. Bei den letzten Verhandlungen in Genf (Schweiz) wurden an die Regierung einige Forderungen gestellt, unter anderem die Entwaffnung des Paramilitärs.

Stattdessen unterstützt die Regierung weiterhin das Paramilitär. Meiner Meinung nach hat das Paramilitär die Lage komplexer gemacht und unsere Hoffnung getötet.

derStandard.at: Die EU stuft die "Tamil Tigers" als Terrororganisation ein, die LTTE drohte nach der Einstufung mit einem "offenen Krieg". Ist das nicht eine entlarvende Reaktion auf eine solche Einstufung?

Sivaganam: Diese Entscheidung ist einseitig und für uns Tamilen nicht nachvollziehbar. Wenn wir die Hintergründe und die Vergangenheit genau analysieren, wird jedem klar, wer diesen Titel verdient hat. Schade, dass die EU ihre Neutralität nicht bewahrt hat.

Die LTTE hat immer gesagt, dass die Einstufung den Friedensprozess und die Situation verschlechtern wird.

derStandard.at: Was wären die Voraussetzungen für ein Ende der Gewalt? Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass sich die Lage wieder beruhigt?

Sivaganam: Die Regierung soll das Paramilitär entwaffnen bzw. abschaffen. Sie soll die LTTE als tamilische Vertretung akzeptieren und ehrlich mit der LTTE verhandeln. Außerdem sollen die SL-Soldaten die besetzten Wohngebiete der Tamilen in Jaffna aufgeben, wo sie ihre Militärbasis aufgebaut haben.

Es ist nicht einfach zu sagen, ob sich die Situation beruhigen wird. Momentan sieht alles düster aus.

Zur Person

Suthagar Sivaganam ist Tamile und lebt und studiert in Deutschland. Er engagiert sich für die Jugendorganisation Tamil Youth Organisation Germany. Mit seiner Mutter und seinen Geschwistern lebte er fünf Jahre im Flüchtlingslager, im Jahr 1991 folgten sie dem Vater nach Deutschland.

Links

Tamil Youth Organization Germany

tamilpress.com

wikipedia über den Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen in Sri Lanka

wikipedia über die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
1 2
Frodo Der Hobbit
12
30.6.2006, 08:56
grundproblem

es gibt durchaus parallelen mit dem kosovo.

soweit ich verschiedene news und gespräche mit singhalesen interpretiere, hat der süden ein nationalistisches und konservatives motiv.
ein teil der tamilen ist eingewandert, und die bevölkerung steigt stark an.
die behauptung ist, dass die singhalesen sich verdrängt und in identität und sicherheit gefährdet fühlen, neben den bekannten konflikten zwischen islam und buddhismus.
die abneigung gegen ein anwachsen des islam ist offenbar so stark, dass genozid-ähnliche taktiken angewendet werden, wobei die hauptakteure schwer festzustellen sind, siehe die bezeichnung "doppelspiel".

das ganze geschehen ist eine extreme politische und geistige herausforderung mit globaler bedeutung.

Alf von Melmak
 
01
neben den bekannten konflikten zwischen islam und buddhismus


Da haben Sie etwas mißverstanden:

Die Moslems in Sri Lanka sind zwar ethnisch tamilischer Abstammung (sprechen auch Tamil), grenzen sich aber scharf gegen "die Tamilen" als solche, welche Hindus sind, ab und werden auch - analog zu den bosnischen Moslems - als eigene ethnische Gruppe betrachtet.

Sie versuchen einerseits, in dem Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen neutral zu bleiben, andererseits gibt es ein starkes Konfliktpotential zwischen moslemischen und tamilischen Gruppen in den ethnisch gemischten Regionen an der Ostküste, das immer wieder zu Spannungen und Gewaltakten führt.

Konflikte zwischen buddhistischen Singhalesen und Moslems bestehen dagegen in Sri Lanka kaum.

Ajay Gubach
00
30.6.2006, 14:38
Einwanderung

EIn Teil der Tamilensind eingewandert,stimmt, das sind die Bergtamilen, die aufgrund der Plnatagearbeit immigrierten. Aber wenn man auf die Antike schaut, dann müssten die Sinhalesen auch mal eingewandert sein? Bzw. laut Mahavamsa (buddhistische Chronologie) ist es auch so geschehen. Aber, in meiner Theorie sind Sinhalesische Abstammungen und Tamilische nur Abspaltungen von einer in der Antike existierten Einheit. Alt-Sinhalesisch vermittelt vielmehr Zusammenhänge zu Tamilisch (phonetisch). Sehr interessant. Ich denke, wir waren einst eins und trennten uns zeitlich.

niroshi thangrathnam
00
30.6.2006, 13:45

Finde diesen Artikel sehr interessant und informativ. Viele Probleme der Tamilen in Sri Lanka werden von Suthagar sehr gut angesprochen.Es ist ja auch so, dass die LTTE mit den singhalesischen Zivilisten keine Konfltikte hat, nur mit der singhalesichen Regierung. Dies wird meistens missverstanden.

Leonce und Lena
 
00
30.6.2006, 12:54
Es gibt schon

Moslems in Sri Lanka, aber nicht so besonders viele, und viele davon werden auch irgendwie den Tamilen zugerechnet. Aber wie Sie darauf kommen, dass es hier um einen Konflikt zwischen Islam und Buddhismus geht, verstehe ich nicht ganz. Ich kann hier meine, sicher ziemlich primitive und nicht auf persönlicher Erfahrung beruhende Einschätzung des HIntergrundes abliefern, aber das lasse ich hier jetzt mal. Wenn der Konflikt endgültig eskaliert, was hoffentlich, hoffentlich nicht passiert, wird man vielleicht beim Standard selbst eine kurze Verlaufanalyse verfassen. Schaden tät es nicht.
Aber anyway, wie haben Sie das mit demIslam jetzt eigentlich gemeint. Die meisten Tamilen sind jedenfalls Hindus.

S. Sarah
00
29.6.2006, 20:31
Endlich...

Habe mir das Interview durchgelesen. Endlich mal eine Agentur die nicht nur einseitig berichtet. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt wieso die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen keine Nachrichten übermitteln, wenn mal Tamilen angegriffen werden. In den letzen Wochen sind mehrmals tamilische Frauen und Kinder auch brutal ermordet worden. Weder Menschenrechtsorganisationen oder Nachrichtenagenturen haben darüber berichtet. Ich finde es gut dass Sie solche Nachrichten bzw. Interviews übermitteln.
http://hotzone.yahoo.com/b/hotzone... blogs5836; _ylt=AvDEWSyEjLOApsVTQN58K5aLFMsF; _ylu=X3oDMTBjM3FjYjBzBHNlYwNibG9nLXN1bQ

Alf von Melmak
 
00
Frage an den STANDARD:


Warum erscheinen manche Postings breiter, als die dafür vorgesehene Spalte?

Seit der Einführung des Kastens rechts mit weiteren Links, sind diese dadurch kaum mehr leserlich.

32123
00
29.6.2006, 09:26
sind die Tamilen nicht ausgewanderte Südinder

die sich nach Ceylon abgesetzt hatten?

Ajay Gubach
00
29.6.2006, 20:13

Diese Tatsache ist damit zu erklären, dass durch die Erdplattenverschiebung die Sri Lanka Tamilen in der Antike mit den Kerelaner gemeinsam lebten, dann jedoch Sri Lanka wegverschob.

Sri Lanka Tamilen werden fast immer mit Kerela-Leute in Verbindung gebracht als mit den aus Tamil Nadu (optisch). Nach Kennenlernen auch sittlich.

Dies sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Ajay

Ajay Gubach
00
29.6.2006, 20:09
Südinder

Nicht direkt. Also unsere Existenz geht auf Nordindien, Pakistan und möglicherweise Richtung heutigen Irak zurück. Dravidismus ist der Urpsrung, woraus Tamilen "ableiteten". Jedenfalls, gab es zwischen jetziger südindischer Spitze und nordsrilankanischen Spitze den Kontinent Kumari Kandam, welcher auch mit Australien (nach Osten) verbunden war und bis nach Madagaskar (nach Westen) ausweiteten. Durch Mautrkatastrophen ist dieses Territorium unter Wasser. Diese Theorie besagt, dass durch soche katastrophal Ereignisse eine Trennung der Menschen stattfand, jedoch haben die Tamilen aus Sri Lanka mehr mit dem Menschen aus Kerela gemeinsam als mit den Tamilen aus Tamil Nadu (von Gebräuchen, Aussehen über Namen bis zu Gewohnheiten und Sitten).

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 13:41
Ja und nein

vereinfacht gesagt gibt es in Sri Lanka 2 Gruppen von Tamilen. Die einen sind schon genauso "ewig" dort wie die Singhalesen. Es gab da auch mal mehrere Königreiche etc. Die andere tamilische Gruppe, welche mehrheitlich in anderen Gebieten Sri Lankas lebt, sind jene Tamilen, die ab dem 19. Jahrhundert, als Plantagenarbeiter (hauptsächlich) aus Südindien nach Sri Lanka kamen. Der Tamilenkonflikt nimmt im Grunde nur Bezug auf die erste Gruppe der Tamilen, also die, die schon "ewig" da waren. Erstere nennt man oft Ceylon-Tamilen, die anderen Hochlandtamilen.

32123
00
29.6.2006, 14:13
Danke!

jetzt bin ich informiert.

Leonce und Lena
 
00
28.6.2006, 23:08
Die Aussagen in dem Interview erscheinen mir schon etwas einseitig bis schwammig

Ich bin weder aus Sri Lanka noch war ich jemals dort, aber ich habe mich in der Vergangenheit ziemlich intensiv quer durch div. englischspr. Medien u. Parteihomepages aus dem asiat. Raum gelesen, um mich sicher genug zu fühlen, hier zu sagen: Dieses Interview antwortet mit Einseitigkeit auf Doppelmoral. Es gab die brutale Verfolgung durch den srilankischen Staat sowohl für tamilische LTTE Rebellen als auch die "marxistischen" singhalesischen JVP Rebellen im Süden. In beide Richtungen gab es gezielte Entführungen, Ermordungen und Folter durch den Staat. Terroranschläge durch beide Gruppen. Als "Extrabonus" hat die LTTE noch Kindersoldaten und Drogenhandel. Die JVP is jetzt legal im Parlament. KURZauszug aus diesem Chaos.

bernd das brot1
00
29.6.2006, 11:35
Lüge

Man sollte keine Thesen aufstellen, die nicht stimmen, bzw. von der Sri Lankischen Regierung verbreitet werden.
Die westlichen Medien geben nur das wieder, was die Regierung ihnen als Nachrichten übermittelt.

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 13:35
Eben

größtenteils habe ich mir vor Jahren meine Infos NICHT aus "westlichen" Medien geholt. Sondern aus englishsprachigen Ausgaben indischer, sri lankischer etc. Zeitungen, etc. etc. Glauben Sie mir, ich habe mir dabei fast die Augen ruiniert. Ein bisserl was weiß ich schon, auch wenn ich vieles wieder vergessen habe. Und ich verurteile weder die Singhalesen noch die Tamilen. Zugegebenermaßen habe ich mich mit der singhalesischen Seite mehr beschäftigt, aber dass bedeutet noch lang nicht dass ich in favour of Sinhala Only bin. Im Gegenteil. Ich wollte mit meinem ursprgl. Posting nur einen MINIMALEN Auszug aus diesem Chaos und tw. auch der Doppelmoral bieten. Dass habe ich auch gesagt. Allerdings war meine Wortwahl nicht gut, dass stimmt.

JayJay9
01
29.6.2006, 11:28
An Leonce und Lena

Drogenhandel? Mich würden schon gerne die Quellen interessieren. Die LTTE handelt bestimmt nicht mit Drogen, das widerspricht ihrer eigenen Moralvorstellung und den traditionellen Werten der tamilischen Gemeinschaft.
Die srilankische Regierung versucht immer wieder mit der Kindersoldaten-Thematik die internationale Gemeinschaft zu täuschen. Die LTTE hat viele Kinder ohne Eltern, ohne Obdach und ohne Zukunft in ihre Hilfsprogramme (Nahrung, Bildung, Kultur, Obdach, ein Funken von Hoffnung) aufgenommen, die von Colombo auch als Kindersoldaten gezählt werden. Wenn Sie möchten, können Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzen, dann kann ich ihnen ausführlichere Informationen geben. Hier gibt es leider eine Zeichenbegrenzung.

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 13:17
Die Schweizer Polizei

hat eine Homepage, z. B., auf der man darüber was erfahren kann.
Es tut mir leid, wenn mein erstes Posting brutal klang, das liegt am Platzmangel. Ich hätte "angeblich" dazuschreiben müssen. Tut mir wirklich leid. Das mit den Kindersoldaten ist die Darstellung durch die Uno, nicht wahr? Die liebe UNO und ihre Teilorganisationen wissen nicht immer alles, aber in dem Fall würd ich es dann eben schon glauben.
Und glauben Sie mir bitte eines: Ich stehe der sri lankischen Regierung und den Informationen, die sie so verbreitet EXTREM misstrauisch gegenüber.
Am Friedenswillen der Tamilen zweifel ich gar nicht. Ich habe nur gemeint, dass in desem Interview 1) nicht viel Info ist und 2) dass die Kritik halt einsitig klingt.

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 15:17
Natürlich ist klar

dass man im Westen im Übermaß dazu neigen könnte, eventuell auch bei der Polizei, Parallelen zwischen LTTE und der FARC hinzukonstruieren (unbewusst), die so nicht gegeben sind. Gemeint war, dass das Geld, dass die LTTE ausm Ausland weltweit bekommt, teilweise angeblich durch Beteiligung am Drogenhandel in manchen Ländern stammt. Das ist gut möglich, warum nicht, kann zumindest mal so gewesen sein. Von der LTTE kann ich pers. nicht viel halten, und die Tamilen im Allgemeinen diskreditiert diese Anschuldigung in meinen Augen nicht. Ich bin mir aber bewusst, dass die Aussage an sich problematisch ist, und ich hatte sie nicht gut formuliert.

JayJay9
00
29.6.2006, 11:37
An Leonce und Lena Teil 2

Ich will gar nicht abstreiten, dass es 17 oder 18 jährige LTTE Kader gibt, aber diese jungen Menschen kommen von alleine zu der LTTE und wollen unbedingt kämpfen. Versetzen Sie sich doch mal in die Lage dieser jungen Menschen. Wie ist das wohl, wenn man zusehen muss, wie seine Mutter vergewaltigt wird? Wie Geschwister ermordet werden? Das sind traumatische und schockierende Zustände. Und dafür ist in erster Linie die Regierung verantwortlich, die einen Staatsterrorismus gegen die tamilische Bevölkerung ausübt. Weiterhin ist diese Doppelmoral der Regierung schon widerlich, schließlich sollten die auch etwas gegen die Kinderprostitution (über 40000 Kinder) und etwas gegen die Kinderarbeit im Süden des Landes unternehmen.

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 15:21
In vielen Dingen

gebe ich Ihnen vollkommen recht.

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 13:54
Frage

Darf ich Sie was fragen. Sie beschäftigen sich offensichtlich sehr mit dem Thema. Welche Parteien und Gruppen auf beiden Seiten halten Sie für relativ vernünftig und vertrauenswürdig und wenig korrupt und warum? Wenn hier jemand gepostet hat, der sich offenbar auskennt, hab ich immer wieder diese Frage gestellt, aber Antwort hab ich leider keine bekommen bisher. Vielleicht antworten Sie mir? Ich wäre dankbar für Anregungen.

freddy001
00
29.6.2006, 14:22

Nachdem es über 50 politische Parteien auf Sri Lanka gibt, ist diese Frage schwer zu beantworten

Leonce und Lena
 
00
29.6.2006, 14:39
Darum frag ich ja :-(

Ich glaub bloß unter diesen vielen gibts nicht viele deren Infos man wirklich einigermaßen trauen könnte, meint der Realist in mir...
Dass ich der JVP-Führung nicht glaube, liegt für mich auf der Hand. Dass ich den National-Buddhisten (Name is mir wieder entfallen) nicht glaube - detto. Dass ich der UNP nicht glaube - detto. Dass ich der SLFP nicht glaube - detto. Der LTTE und ihren Ablegern/Splittergruppen - genausowenig...
Was halten Sie etwa von der SEP (Socialist Equality Party), die von den Internationalen Trotzkisten ;-) bis über den grünen Klee protegiert wird? Die Beschreibung klingt gut, allein mir fehlt da auch irgendwie der Glaube.... :-) Haben Sie von der SEP gehört? Wissen Sie was darüber? Hab ka Zeit für eigene Recherche...

JayJay9
00
29.6.2006, 11:11
Gutes Interview

Herr Sivaganam spricht hier meiner Meinung nach repräsentativ für 95% der
Ceylon-Tamilen. Wir alle wollen endlich Frieden haben, letztendlich ist es hauptsächlich unser Volk, welches durch einen erneuten Ausbruch des Krieges noch extremer leiden müsste. Der Krieg ist keine Lösung, aber leider wird er uns aufgezwungen und ist letztendlich nichts anderes als eine höhere Ebene der gesetzlichen Notwehr.
Die srilankische Regierung versucht mit Intrigen die LTTE zu diskreditieren und die internationale Gemeinschaft zu täuschen. Colombo will nicht nur die LTTE vernichten, sondern das komplette tamilische Volk in Sri Lanka. Ein Beispiel sind die Luftangriffe gegen die tamilische Zivilbevölkerung, einschließlich Flüchtlingslager. Oder auch die Ma

hmm69
00
29.6.2006, 09:29
wurzeln des konflikts

Die englische Kolonialverwaltung holte zahlreiche Tamilen als billige Arbeitskräfte, vor allem für die Teeplantagen ins Land. Das ist bis heute so. Zugleich – nach dem Motto teile und herrsche – unterstützte sie die singhalesischen Bevölkerungsteil in ihrem Streben, sich als „Herrenrasse“ zu etablieren. Tamilen sind mehrheitlich Hindus, Singhalesen Buddhisten. Buddhismus wird als „Staatsreligion“ favorisiert, Tamilen haben die miesen Jobs, sind vom Bildungswesen weitgehend ausgeschlossen (um an Unis zugelassen zu werden benötigen sie bessere Noten als Singhalesen) im Staatsapparat finden sich ausschließlich Singhalesen usw. Also informieren statt moralisieren.

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