Schwere Vorwürfe gegen Lidl

17. Juli 2006, 10:20
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Gewerkschaft ver.di: Arbeitnehmerrechte werden massiv verletzt - Konzern weist Vorwürfe zurück

Berlin - Massive Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte, Repressalien und Mobbing sind laut der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beim Discounter Lidl auch im europäischen Ausland an der Tagesordnung. Die Gewerkschaft warf dem deutschen Lebensmittelunternehmen am Dienstag in Berlin vor, Sozialdumping ins Ausland zu exportieren.

Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, ist derzeit in 23 Ländern mit rund 7.400 Filialen vertreten. Fast die Hälfte des Umsatzes von rund 40 Milliarden Euro wird im Ausland erwirtschaftet.

Sozialdumping

Besonders kritisierte Verdi in ihrem vorgestellten "Schwarzbuch Lidl", dass der Belegschaft die Wahl von Betriebsräten verboten und Gewerkschaftsarbeit massiv behindert werde. Der Verdi-Vize- Vorsitzende Frank Werneke verwies darauf, dass es beispielsweise in Deutschland in den insgesamt 2.700 Filialen nur vier Betriebsräte gebe. Lidl sei eines der stärksten expandierenden Handelsunternehmen. In den anderen europäischen Ländern bestehe die Angst, dass Sozialdumping exportiert werde.

Nach Recherchen von Verdi sind die Lidl-Filialen chronisch unterbesetzt, Arbeitsschutzbestimmungen werden nicht eingehalten und die Mitarbeiter müssen unbezahlte Mehrarbeit leisten. Als besonders skandalös kritisierte die Gewerkschaft Videoüberwachung in französischen Filialen. Damit würden alle Mitarbeiter per se unter Diebstahlverdacht gestellt. Agnes Schreieder von ver.di verwies darauf, dass es im Lager einer Filiale im französischen Nantes mehr Videokameras als im örtlichen Gefängnis gebe. Zudem ist laut Verdi der Leistungsdruck bei Lidl so hoch, dass die Vorgaben kaum zu schaffen seien.

Discounter weist Vorwürfe zurück

Lidl hat die Vorwürfe am Dienstag zurückgewiesen. Die von ver.di vorgebrachten Einzelfälle entsprächen weder dem Stil noch den Führungsgrundsätzen bei dem Unternehmen, erklärte Lidl. "Daraus einen Generalverdacht gegenüber dem Unternehmen zu äußern, ist deshalb nicht nachvollziehbar". Lidl empfinde die Vorwürfe als "verantwortungslos und rufschädigend, denn sie entsprechen einfach nicht der Arbeitsrealität und dem täglichen Miteinander bei Lidl."

Es gebe unverrückbare Grundsätze. Die Mitarbeiter würden korrekt bezahlt, jede Überstunde werde vergütet, die Arbeitszeiten eingehalten. Ferner gebe es Vertrauensleute, mit denen die Mitarbeiter offen über Probleme oder Kritik reden könnten. Bei 170.000 Mitarbeitern in der Unternehmensgruppe sei allerdings nicht auszuschließen, dass diese Grundsätze in Einzelfällen nicht ausreichend beachtet würden. (APA)

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