Musikfonds: Einjahresbilanz Ausgangspunkt für neue Aufgaben

27. Juni 2006, 13:30
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Unter anderem sollen heimische Musiker mehr Airplay erhalten

Wien - Nach einem Jahr Laufzeit zogen die Macher des Österreichischen Musikfonds am Dienstag eine positive Bilanz und kündigten gleichzeitig erweiterte Zielsetzungen an. So sollen künftig neben der bisherigen Produktionsförderung österreichischen Talenten auch Unterstützung bei der Live-Präsentation ihrer Musik geboten werden. Und bei Runden Tischen mit den heimischen Medien soll diskutiert werden, wie österreichische Musik vermehrt zum "Bestandteil der heimischen Medienlandschaft" werden kann, so Kunststaatssekretär Franz Morak.

"Ö"3

Geplant sei, "sich mit Radiomachern zusammenzusetzen, um den österreichischen Musikern die Möglichkeiten zu geben, die sie verdienen", sagte Morak am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Laut Morak entscheiden die Musikredakteure ebenso wie der Markt über die Chancen für österreichische Musik. Man sei sich bewusst, dass man auch mit den Sendern "kompatibel" bleiben müsse, betonte Morak. Angesprochen werden sollen alle Radios - ORF und Private -, besonders im Blickfeld steht das ORF-Radio Ö3: Mit Ö3 "haben wir die größten Probleme", dort gebe es "viel zu wenig österreichische Musik", sagte Musikfonds-Obmann Georg Tomandl, der hingegen FM4 in dieser Hinsicht lobte.

Bei Ö3 indes nahmen aufmerksame Hörer in den vergangenen Monaten bisher Ungewohntes war: Die Musikfarbe des Senders hat sich nicht grundsätzlich geändert, allerdings sind nun auch tagsüber mitunter Nummern zu hören, die bisher eher Spartenprogrammen vorbehalten waren - etwa auch Austropop.

Live-Auftritte

Österreichische Musiker sollen vom Musikfonds ebenso Unterstützung bei der Live-Präsentation ihrer Künste bekommen. Auftritte und auch komplette Österreich-Tourneen sollen mit Hilfe des Musikfonds ermöglicht werden. Dazu soll ein Veranstalternetzwerk etabliert werden, Medienkooperationen und finanzielle Zuschüsse sollen Tourneen direkt unterstützen. Noch heuer sollen die Tourneen von "Mono & Nikitaman" sowie "Fatima Spar & the Freedom Fries" "Toursupport" vom Musikfonds bekommen. Weiters gibt es drei Konzerte (23. 9. Dornbirn, 3. 11. Salzburg, 4. 11. Graz), bei denen jeweils drei geförderte Acts live präsentiert werden.

Nächstes Jahr soll auch verstärkt Augenmerk auf Ausbildung und Nachwuchsförderung gelegt werden. So soll etwa das vom Musikfonds-Geschäftsführer Harry Fuchs geleitete Projekt "pop!" der AKM in den Musikfonds eingebunden und weiterentwickelt werden.

Bilanz des Bisherigen

Die bisherige Bilanz des Musikfonds fällt "für einen ersten Schritt positiv aus", so Morak. Der Fonds wurde vor einem Jahr ins Leben gerufen und vom Bundeskanzleramt, Verwertungsgesellschaften und weiteren Musik-Institutionen mit jährlich 600.000 Euro dotiert, um heimische Musikproduktionen zu fördern. Bei den bisherigen drei Calls wurden 486 Projekte eingereicht. 72 Produktionen von sehr großer stilistischer Bandbreite - von Stahlhammer bis zum Klangforum Wien - wurden mit insgesamt 773.500 Euro gefördert, 22 davon sind bereits veröffentlicht.

Gefördert werden dabei bis zu 50 Prozent der Produktionskosten bei einer maximalen Summe von 50.000 Euro pro Produktion. Die Finanzierung des Fonds ist noch für ein Jahr gesichert, danach soll die Initiative evaluiert werden. Für Fuchs gebe es bereits jetzt "sehr positive Signale", dass der Fonds weitergehen werde. Der nächste Call startet am 1. August und läuft bis 6. Oktober. (APA)

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