Toter "Bruno" beschäftigt Justiz: Bären-Kadaver wird untersucht

7. Juli 2006, 13:27
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Van Staa: "Mir tut auch das Schaf Leid, das der Bär gerissen hat" - Anzeigen gegen Beteiligte des Abschusses

Der Tod von Braunbär "JJ1" alias "Bruno" wird auch zum Fall für die Justiz. Bei der Staatsanwaltschaft München II gingen bis Dienstagmittag bereits neun Strafanzeigen ein. Das bestätigte der stellvertretende Behördenleiter, Oberstaatsanwalt Eduard Mayer. Allerdings gebe es bisher keinen ausreichenden Anfangsverdacht für eine Straftat; er habe deshalb kein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet. Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa (V) betonte unterdessen, dass das Tier "abgeschossen werden musste".

"Mir tut auch das Schaf Leid, dass der Bär gerissen hat"

Alle Experten der Wildtierkunde hätten "Brunos" Verhalten als atypisch für einen Wildbären befunden, sagte Van Staa. Das Tier habe eine Gefahr für den Menschen - insbesondere für Kinder - dargestellt. Der Landeshauptmann erklärte weiter, dass man zu den Wertigkeiten zurückkehren sollte, dem Menschen den höchsten Schutz angedeihen zu lassen, dann den Haustieren und dann erst den Raubtieren. Der Braunbär mit dem menschlichen Namen "Bruno" sei kein Kuscheltier. "Mir tut auch das Schaf Leid, dass der Bär gerissen hat."

Strafanzeigen

Zum Teil sei einfach Strafanzeige erstattet worden, zum Teil richteten sich die Anzeigen konkret gegen Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf, die beteiligten Jäger und Angehörige des Umweltministeriums, erläuterte der Münchner Oberstaatsanwalt Mayer. In den Strafanzeigen werden unter anderem Verstöße gegen die Jagdschutzgesetze und das Tierschutzgesetz genannt. Wann die Überprüfung abgeschlossen sei, konnte Mayer noch nicht sagen: "Vielleicht in zwei bis drei Wochen kann zumindest gesagt werden, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden wird."

Bayern: Druck auf Umweltminister wächst

Im bayerischen Landtag wächst unterdessen der Druck auf Schnappauf. Die SPD-Fraktion verlangte seinen Rücktritt. Schnappauf werde zum "Problemminister", hieß es. Der bayerische Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Magerl verlangte einen umfassenden Bericht. "Es sind für mich unwahrscheinlich viele Fragen offen - des nationalen wie des internationalen Naturschutzrechts, aber auch des Waffenrechts", sagte er im Bayerischen Rundfunk (BR).

DNA-Analyse

Experten versuchen jetzt herauszufinden, ob es sich bei dem Montag früh auf der Rotwand in Oberbayern erlegten "Bruno" tatsächlich um "JJ1" handelt, wie der aus Norditalien stammende Bär offiziell heißt. Der Bären-Kadaver werde untersucht und eine DNA-Analyse erstellt, sagte der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn. Das Tier soll später ausgestopft ins Museum kommen.

"Rache für Bruno!"

Unterdessen gibt es rund um Brunos gewaltsames Ende die Möglichkeit, seinen Unmut über den Abschuss öffentlich zu bekunden. Unter http://www.baerbruno.de/ sind Solidaritäts-T-Shirts erhältlich, wobei sich jenes mit dem Aufdruck "Rache für Bruno!" großer Beliebtheit erfreut. Auch die Variante "Wer war das!?!?" ist zu haben. Weiters hat das Oberammergauer Kreativbüro "Die Werberei", die hinter der Kampagne steckt, um knapp zehn Euro eine schicke Bruno-Solidaritäts-Trauerbinde im Angebot. Der Stofftier-Produzent Steiff bestätigte der APA, dass es demnächst einen eigenen "Bruno"-Teddybären des Unternehmens geben wird. (APA)

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    Toni Engelhardt, Bärenfreund aus Schliersee, bedauert den Tod des Bären.

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