Microsoft vs. EU: Dem Softwarekonzern droht eine empfindliche Niederlage

6. Juli 2006, 15:01
107 Postings

EU-Kommission fühlt sich hintergangen - Urteile und Vereinbarungen seien nicht ausreichend umgesetzt worden - Nun droht eine endgültige Verurteilung

Im Kartellverfahren gegen Microsoft könnte es schon in den nächsten Wochen ein Urteil geben. Die Wettbewerbsbehörden fühlen sich von Microsoft hintergangen, da einige Entscheidungen der in der Kommission angesiedelten Behörde nicht vereinbarungsgemäß umgesetzt worden wären, heißt es aus Kommissionskreisen. Dies sei aber nur der "offizielle"Grund, der dem US-Unternehmen ab Juli zwei Millionen Dollar pro Tag kosten könnte.

Eu "düpiert"

Inoffiziell fühlt man sich "düpiert", da der Softwarekonzern im neuen Betriebssystem "Vista", das gegen Ende des Jahres auf den Markt kommen soll, die Praxis, weitere Software in das Betriebsystem zu integrieren, noch verstärkt und damit nach Meinung der Kommission die marktbeherrschende Stellung weiterhin missbraucht. "Wir verhandeln seit Jahren darüber, dass Microsoft seine Software auch anderen Herstellern öffnen muss und den Mediaplayer nicht automatisch in das Betriebssystem integrieren darf. Statt das auch für die Zukunft zu berücksichtigen, gibt es mit Vista ähnliche Probleme, aber zehnmal mehr,"meinte ein mit den Verhandlungen Betrauter zum Standard.

Neue Pläne

So sind den bisher bekannten Plänen Microsofts zufolge Virenprogramme, Suchmaschinen, Programme für PDF-Dateien und einiges andere im Betriebssystem enthalten, was bisher von Drittherstellern angeliefert wurde.

Urteil am 12. Juli

Dem aktuellen Urteilsentwurf zufolge habe Microsoft eine Kartellentscheidung vom März 2004 nicht ordnungsgemäß umgesetzt. Der Entwurf solle am Montag den nationalen Kartellbehörden vorgelegt werden, die vor wichtigen Entscheidungen konsultiert werden müssen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes wolle das Urteil am 12. Juli öffentlich machen.

Mobil gegen Microsoft

Auch die Konkurrenz macht gegen Microsoft mobil: Der Anbieter von Sicherheitssoftware Symantec warnt Microsoft davor, Vista mit einer eigenen Anti-Viren-Software zu koppeln. "Wenn sie es tun, werden sie damit eine große Debatte darüber auslösen, ob dies eine Verletzung ihrer Monopolposition darstellt", sagte der Chef des weltweit größten Anti-Viren-Software-Herstellers, John Thompson, laut Financial Times Deutschland. Er rechnet für diesen Fall mit einer gemeinsamen Aktion aller Anti-Viren-Software-Produzenten: "Es wäre dann nicht allein meine Sache, zu reagieren. Es ist wichtig, dass dann die gesamte Industrie aufsteht und handelt."Microsoft hat nach seinem Einstieg in das lukrative Geschäft mit Sicherheitssoftware nun auch ein spezielles Schutzpaket für Unternehmen angekündigt. Es heißt Antigen, ist mit Viren- und Spam-Filtern sowie Management-Software und einem Frühwarnservice ausgestattet und soll ab Juli verfügbar sein.

OneCare

In der vergangenen Woche hatte Microsoft mit OneCare erstmals Sicherheitssoftware speziell für Verbraucher auf den Markt gebracht. Es soll vor allem in Sicherheitsfragen oft nachlässigen Nutzern einen leicht zu bedienenden Schutz bieten. (Michael Moravec aus Brüssel, DER STANDARD Printausgabe, 28. Juni 2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bill Gates beim Kartenspiel. Nicht Poker - sondern Bridge.

Share if you care.