Israelische Presse: Ultimatum im Fall des entführten Soldaten

28. Juni 2006, 19:26
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Hamas-Chef Khaled Mashaal soll persönlich grünes Licht für die Aktion gegeben haben

Jerusalem (APA) - Israel habe im Fall des von Palästinensern entführten israelischen Soldaten ein Ultimatum von 48 Stunden gesetzt und das laufe am Dienstag "innerhalb von Stunden" ab. So heißt es in Presseberichten. Eine Nachfrage beim Regierungssprecher Israels ergab eine kryptische Antwort: "Mein Büro gibt keinerlei Stellungnahme zu diesen Presseberichten heraus." Es war unmöglich, aus dem Sprecher noch irgend eine weitere Erklärung herauszulocken, um zu verstehen, was gemeint sei, ob es überhaupt ein solches Ultimatum gibt und wann es abläuft.

Wenn tatsächlich das Ultimatum gestellt worden sein sollte und am Dienstag schon auslaufen sollte, müsste Israel es schon ausgesprochen haben, als noch gar nicht klar war, dass der Soldat entführt worden war. Erst am Sonntag Nachmittag verdichteten sich die Hinweise, dass Gilad Shalit in den Gazastreifen verschleppt worden sei und dann dauerte es noch, bis sich drei palästinensische Extremistengruppen, darunter auch der militärische Arm der Hamas, zu der Entführung bekannten. Ebenso ist unklar, wem das Ultimatum gestellt worden sein könnte: dem Präsidenten der Autonomiebehörde und Fatah-Chef Mahmoud Abbas, dessen Leute in den Vorfall nicht direkt verwickelt waren; an die Hamasregierung, mit der Israel keinerlei direkte Kontakte pflegt; oder an die beteiligten Organisationen. Unklar ist auch, über welche dritte Partei das Ultimatum ausgesprochen wurde, über die Ägypter, die Amerikaner oder andere. Offen ist auch, womit Israel drohte, falls das Ultimatum von der anderen Seite nicht wahrgenommen wird.

Klar sind zwei israelische Forderungen: die Freilassung des Soldaten und ein Ende des Beschusses mit Kassamraketen. Bekannt sind auch mögliche Maßnahmen Israels: eine militärische Offensive, um den verschleppten Soldaten zu suchen und den Hintermännern der Kassamraketen den Garaus zu machen. Jeder "der in den Terror involviert ist, kann unser Ziel sein. Niemand ist immun", sagte Premierminister Ehud Olmert, wobei die israelische Presse den Schluss zieht, dass auch der Premierminister Ismail Haniyeh oder Außenminister Mahmoud al-Zahar von Israel liquidiert werden könnten.

Der amerikanische Botschafter in Tel Aviv nannte am Dienstag Syrien als Hauptverantwortlichen für die Attacke auf Israel und die Verschleppung des Soldaten. Der Befehl sei aus Damaskus gekommen, sagte der Botschafter wobei die israelische Presse berichtet, dass Hamas-Chef Khaled Mashaal persönlich das grüne Licht für die Aktion gegeben habe. Mashaal hat seinen Sitz in Damaskus. In Israel wurden am Dienstag schon Stimmen laut, die einen Militärschlag gegen Damaskus forderten, um die Syrer abzuschrecken.

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