US-Gericht setzt Hinrichtungen in Missouri aus

28. Juni 2006, 09:05
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Mehrere Häftlinge erhielten zu wenig Anästhetika - Narkosearzt hatte Probleme mit Zahlen

Im US-Staat Missouri dürfen vorerst keine Todesurteile mehr vollstreckt werden, nachdem bei mehreren Hinrichtungen offenbar zu wenig Anästhetika verabreicht wurden. Das Bundesgericht in Kansas City erklärte am Montag, bei den Hinrichtungen mit der Giftspritze seien "zahlreiche Probleme" aufgetreten: So sei die zu verabreichende Dosis nirgends schriftlich niedergelegt, und der für die Dosierung der Gifte zuständige Anästhesist leide an Dyslexie (Leseschwäche), wodurch er Zahlen durcheinander bringe. Es bestehe das Risiko, dass die Todeskandidaten unnötig leiden müssten, erklärte das Gericht.

Bundesrichter Fernando Gaitan Jr. gab den Behörden bis zum 15. Juli Zeit, neue Vorschriften zu erlassen. Hinrichtungen dürften erst dann wieder stattfinden, wenn er die neuen Regeln genehmigt habe, sagte Gaitan.

Narkosemittel geringer dosiert als üblich

Der für die Präparierung der Giftspritze zuständige Anästhesist hatte bei mehreren Hinrichtungen das Narkosemittel geringer dosiert als üblich. In Missouri wird das Mittel Thiopental verwendet, das die Häftlinge in Vollnarkose versetzen soll, ehe ihnen ein tödlicher Giftcocktail aus zwei weiteren Substanzen gespritzt wird. Diese verursachen bei unzureichender Narkose qualvolle Schmerzen.

Das Gericht kritisierte auch, dass der Anästhesist bei den Hinrichtungen selbst nicht anwesend war. Der Narkosearzt müsse die Spritze entweder selbst ansetzen oder jemand anders dabei überwachen, forderte Richter Gaitan. Schließlich müsse ärztlich festgestellt werden, dass der Häftling vor seinem Tod tatsächlich bewusstlos sei. (APA/AP)

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