Neue OP-Methode bei Beckenboden-Senkung

27. Juni 2006, 11:18
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Bei der Netztechnik-Methode bleiben Gebärmutter und Sexualfunktion erhalten

Innsbruck - Ein neues Operationsverfahren zur Behebung von Beckenbodensenkungen wird seit kurzem an der Innsbrucker Universitätsklinik für Frauenheilkunde angewendet. Die Technik bietet nach Angaben vom Dienstag Vorteile auch für jüngere Frauen, da die Gebärmutter in der Regel nicht entfernt werden muss und die Sexualfunktion erhalten werden kann.

Stützende Funktion

Im Laufe des Lebens können Bindegewebe, Muskulatur und Bänder des weiblichen Beckenbodens zunehmend schwächer werden. In der Folge sinken die Organe ab und es kommt zur so genannten Beckenbodensenkung. Je nach deren Ausmaß wird dadurch die Lebensqualität der Betroffenen beträchtlich eingeschränkt. In der Innsbrucker Universitätsklinik für Frauenheilkunde wird unter der Leitung von Univ.-Prof. Christian Marth nun ein Verfahren angewandt, in dem ein implantiertes Spezialnetz die stützende Funktion des Beckenbodens wiederherstellt.

Erhaltung der Sexualfunktion

"Vor allem bei einer neuerlichen Senkung, wenn die vorhergegangene Senkungsoperation nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, ist diese Methode sehr viel versprechend", begründete Siegfried Fessler, Leiter des gynäkologisch-operativen Bereichs der Universitätsfrauenklinik, den Einsatz dieser Netztechnik-Methode. Er sieht den Hauptvorteil im Erhalt der Sexualfunktion: "Bei bisherigen Methoden kam es manchmal zu einer ausgeprägten Verengung und Verziehung der Scheide und das führte häufig zu einer deutlichen Einschränkung der Sexualfunktion. Durch das Netz, das den Beckenboden spannungsfrei unterstützt, bleibt die Sexualfunktion fast immer erhalten." Zudem müsse die Gebärmutter nicht entfernt werden.

Ursachen

Eine Beckenbodensenkung kann auf eine genetisch veranlagte Bindegewebsschwäche zurückzuführen sein. Schwere Geburten, chronische Belastungen wie Raucherhusten und Übergewicht sowie regelmäßig schwere körperliche Belastung durch Arbeit oder Sport führen zur Druckerhöhung im Bauchraum und stellen somit Risikofaktoren dar. Die Wahrscheinlichkeit, einen Vorfall zu erleiden, steigt mit zunehmendem Alter. Typische Symptome sind häufig ein Druck- oder Fremdkörpergefühl im Unterleib.

Die genaue Häufigkeit von Beckenbodensenkungen ist nicht bekannt, da viele Frauen aus Scham nicht zu ÄrztInnen gehen. In Österreich werden pro Jahr etwa 6.000 genitale Vorfälle operiert. Eine medikamentöse Therapie gibt es nicht. Reicht gezielte Gymnastik nicht aus, besteht die Möglichkeit eines chirurgischen Eingriffes. (APA)

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