US-Weblogs ziehen Investoren an

4. Juli 2006, 10:32
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Journalisten kündigen zu Gunsten ihrer Blogs

Blogger aus den USA suchen nach Investoren für ihre Webseiten, wie das Wall Street Journal berichtet. Immer häufiger wagen Weblog-Autoren den Schritt in den professionellen Journalismus und Finanziers scheinen nicht abgeneigt, das nötige Geld zur Verfügung zu stellen. So hat beispielsweise Alan Patricof, der Apple Computer Inc. finanzierte und das New York Magazine gründete, nun ungefähr eine Million Dollar in die ContentNext Media Inc. investiert, die Tochterfirmen wie PaidContent.org betreibt.

Optimistische Erwartungen

Diese Investition ist eine von vielen und drückt die optimistischen Erwartungen aus, die Geldgeber in Blogs setzen. Weblogs entwickeln sich von einer Mischung aus persönlicher Meinung und Tratsch zu einem Portal für qualitativen Journalismus. Besonders der geringe Kapitalaufwand und die großen Expansionsmöglichkeiten machen das neue Medium attraktiv für Investoren. Vor allem verglichen mit der Neugründung von Magazinen bieten Weblogs eindeutige Vorteile. Bei Printmedien müsse man mit Kosten von bis zu 27 Mill. Dollar rechnen und drei bis vier Jahre lang rote Zahlen wegstecken können, wie Patricof meint.

Blog-Business

Einige professionelle Journalisten, die bisher ihre Weblogs nur nebenbei betrieben, kündigen nun sogar ihre Jobs um sich voll auf das Blog-Business zu konzentrieren. Dabei werden von den Blogs oft sehr spezialisierte Themenbereiche abgedeckt, wie beispielsweise Entwicklungen am Breitband-Markt oder betrügerische Machenschaften von Unternehmen.

Aufschwung

Weblogs erleben zwar auch im deutschsprachigen Raum einen Aufschwung, doch hier es gibt bei diesem Thema etwas mehr Zurückhaltung als in den USA. "Es wird sich in den nächsten sechs bis zwölf Monaten zeigen, wohin die Trends gehen. Ob es in Deutschland dieselben Entwicklungen wie in den USA geben wird, kann ich weder bestätigen noch ausschließen", erklärt Christoph Salzig, Sprecher des Bundesverbands der Digitalen Wirtschaft , im Gespräch mit pressetext. "Das Problem mit Inhalten im Internet ist die zweifelhafte Seriosität. Wenn professionelle Journalisten diese Weblogs verfassen bietet das sicher eine Chance für zeitnahen, aktuellen Journalismus", meint Salzig.

Zwischenstation

Momentan zeigt die deutsche Wirtschaft noch kein besonderes Investitions-Interesse an Weblogs, die Bedeutung für den PR-Bereich hat man allerdings schon erkannt. "Viele behalten Weblogs im Auge, um über die wesentlichen Strömungen, Trends und Themen informiert zu sein", sagt Salzig. Möglicherweise ist der Weblog-Boom auch nur eine Zwischenstation. "Podcasting und Audioformate legen die Messlatte für Internetjournalismus ziemlich hoch", meint Salzig. (pte)

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