Südafrika wirbt um Investoren

7. Juli 2006, 11:52
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Oberösterreichs Wirtschaftskammer sieht gute Chancen vor allem in Kfz-Industrie sowie für Maschinen und Anlagen, Kunststoff und Infrastruktur

Johannesburg/Linz - Die Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) nimmt Südafrika ins Visier. Für heimische Unternehmen gebe es dort gute Chancen in der Kfz-Industrie, außerdem in den Sektoren Maschinen und Anlagen, Kunststoff und Infrastruktur stellten WKOÖ-Präsident Rudolf Trauner, Direktor Christian Hofer, der österreichische Handelsdelegierte in Südafrika Stefan Pistauer und der für Wirtschaftspolitik und Außenhandel in der WKOÖ zuständige Hermann Pühringer nach einer Erkundungsreise in Südafrika fest.

Sprungbrett

Die Exporte Österreichs nach Südafrika konnten im vergangenen Jahr um 18,21 Prozent auf 472 Millionen Euro gesteigert werden. Sie haben damit allerdings nur einen Anteil von 0,5 Prozent an den österreichischen Gesamtexporten. Die Lieferungen in den gesamten afrikanischen Kontinent haben einen Anteil von 1,1 Prozent. Aber Pistauer bezeichnete Afrika als den Kontinent mit den größten Chancen in der näheren Zukunft, alle anderen hätten ihre Wirtschaften schon etabliert. Südafrika sei dabei das Sprungbrett für das gesamte südliche Afrika. Trauner betonte, Südafrika sei kein Billiglohnland, aber es biete politische und wirtschaftliche Stabilität und Rechtssicherheit.

Trauner machte darauf aufmerksam, dass in Südafrika 7,2 Prozent des BIP (213 Mrd. US-Dollar/170 Mrd. Euro) auf die Kfz- und deren Zulieferindustrie entfallen. Der Tourismus erreichte einen Anteil von 7,1 Prozent, der Bergbau 6,5 und die Landwirtschaft 3,1 Prozent. Bei den acht internationalen Kfz-Erzeugern gebe es Marktchancen für österreichische Betriebe. Als Beispiel nannte er BMW. Der bayerische Hersteller hat in Rosslyn eine Produktion für 50.000 bis 60.000 Stück pro Jahr des neuen 3-er Modells für den südafrikanischen sowie den Exportmarkt aufgezogen. Der technische Direktor des Werkes, Jürgen Hedrich berichtete, dass zahlreiche BMW-Zulieferer dafür einen zusätzlichen Standort in Südafrika gegründet hätten.

Impulse durch Fußball-WM

Weitere Perspektiven für Exporte und Direktinvestitionen würden für Maschinen- und Anlagenbauer bei anstehenden Ersatz- und Verbesserungsinvestitionen bestehen, stellte Hofer fest. Gute Entwicklungschancen seien auch im Bereich Kunststoff vor allem für Verpackungen vorhanden. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoff liege in Südafrika bei einem Achtel des österreichischen, bei steigendem Wohlstand nehme erfahrungsgemäß der Verbrauch zu. Enorme Impulse seien auch durch die für 2010 geplante Fußball-WM in Südafrika zu erwarten. Dadurch seien erhebliche Investitionen und damit Aufträge für die Verbesserung der Infrastruktur zu erwarten. Die Wirtschaftskammer will in den nächsten Monaten die Unternehmen in Österreich zu mehreren Informationsveranstaltungen über die Möglichkeiten in Südafrika einladen.

Hindernisse durch hohen Rand-Kurs

Ausländischen Investoren stehen allerdings etliche Hindernisse entgegen, unter anderem der hohe Kurs des Rand, der gesetzlich vorgegebene Ersatz von weißem durch schwarzes Personal und eine hohe HIV-Rate.

Der Geschäftsführer von BUSA - der mit der österreichischen Wirtschaftskammer vergleichbare Dachverband der 38 südafrikanischen Wirtschaftsverbände - Jerry Vilakazi betonte, in der ersten Dekade nach dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 sei es wichtig gewesen, dass die junge Demokratie Fuß gefasst habe und international anerkannt worden sei, nun aber seien sich Wirtschaft und Regierung einig, dass die Wirtschaftsentwicklung vorangetrieben werden müsse. Ziel der Regierung sei, bis 2014 die Armut zu halbieren. Das solle mit einem Wirtschaftswachstum ab 2009 von sechs Prozent pro Jahr und einer Senkung der Arbeitslosenrate von offiziell rund 20 auf 15 Prozent geschehen. Inoffizielle Quellen sprechen dagegen von derzeit 40 Prozent.

Werben um Know-how

Der Leiter der für Handel und Investitionen zuständigen Abteilung des südafrikanischen Wirtschaftsministeriums Riaan Le Roux warb vor den oberösterreichischen Wirtschaftsvertretern dafür, ausländisches Kapital und vor allem Know-how ins Land zu bringen. Er stellte dazu zahlreiche Förderungsmöglichkeiten in Aussicht. Südafrika hat als Exporteur unter anderem von Gold, Kohle, Diamanten, Platin, Eisen und Stahl von den zuletzt steigenden Rohstoffpreisen profitiert, die Regierung hat zudem Anstrengungen gegen Steuerhinterziehung unternommen. Sie verfügt daher über genügend Mittel, um in den kommenden fünf Jahren zirka 50 Mrd. Euro in arbeitsplatzschaffende Infrastrukturmaßnahmen zu investieren.

Dem Engagement von ausländischen Investoren steht allerdings - trotz einer eben erfolgten Abwertung - der hohe Kurs des Rand entgegen. Er verbilligt zwar Importwaren, macht aber exportorientierten Branchen die Arbeit schwer. Dazu kommt das Black Economic Empowerment-Programm (BEE) der Regierung, das den Anteil schwarzer Südafrikaner an der Wirtschaft und speziell auch am Unternehmensbesitz erhöhen soll. Derzeit haben sie bei den Firmenbesitzern einen Anteil von sechs Prozent, an der auf 47 Mio. Einwohner geschätzten Bevölkerung von 77 Prozent. Arbeitsrechtlich ist die Bevorzugung von Schwarzen verankert, qualifizierte Mitarbeiter sind laut Firmenchefs nicht leicht zu finden.

Die hohe HIV-Rate von geschätzten 15 Prozent zeigt auch Auswirkungen auf die Produktivität. Die Regierung nimmt große Anstrengungen gegen die Pandemie. Auch die Unternehmen machen dabei mit - unter anderem mit Gratis-Kondomen zur Vorsorge, mit Wellness-Programmen sowie Medikamenten für die Aids-Kranken und Beiträgen für die Forschung. So ist es den "Impala"-Platin Minen in Rustenberg gelungen, bei ihrer 27.000 Personen zählenden Belegschaft die monatliche Zahl der Aids-Toten von acht bis neun auf vier bis fünf zu senken. (APA)

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