Paris will EADS-Führung austauschen

2. Juli 2006, 17:33
2 Postings

Die Zukunft von EADS-Chef scheint unsicher: Während die Franzosen immer lauter darauf drängen, dass Noël Forgeard seinen Hut nimmt, sieht Berlin keinen Handlungsbedarf

Hamburg - Im Streit um den französischen EADS-Co-Chef Noël Forgeard sind sich Investoren Presseinformationen zufolge einig, ihn rasch aus dem Unternehmen zu verabschieden. Die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère hätten mit der Pariser Regierung, ebenfalls gewichtiger Anteilseigner, entsprechende Vorschläge zur Beilegung der Führungskrise beim europäischen Flugzeugbau- und Raumfahrtkonzern besprochen, berichtete die "Financial Times" (Dienstag). Über die Beibehaltung der Doppelstruktur der Airbus-Muttergesellschaft EADS sei noch nicht entschieden. Bisher bilden die deutsche und die französische Seite eine Doppelspitze in Vorstand und Aufsichtsrat. Nach Informationen des "Wall Street Journal Europe" soll diese Struktur beibehalten werden.

Teure Lieferverzögerungen

Ein weiterer Zankapfel ist der Chefposten bei Airbus. Nachdem der Franzose Forgeard, ehemals Airbus-Chef und maßgeblicher Projektantreiber beim A380, für die teuren Lieferverzögerungen verantwortlich gemacht wurde und für seine Aktienverkäufe in die Kritik geriet, steht auch sein deutscher Nachfolger Gustav Humbert unter Druck. Sollten beide gehen müssen, dürfte sich der "Financial Times" zufolge die deutsche Aktionärsseite vehement gegen einen turnusmäßigen Wechsel zurück zu einem Franzosen wehren.

Die deutsche Regierung hat kein Interesse daran, dass an der EADS-Führungsstruktur gerüttelt wird. Es gebe keinen Anlass, die "bewährten Strukturen und die partnerschaftliche Führung" zu verändern, hatte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärt. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac sagte am Montag in Paris, es gebe ein Problem der Führung bei EADS mit seiner deutsch-französischen Doppelspitze. Die deutschen und französischen EADS-Großaktionäre berieten derzeit darüber. "Es ist wahrscheinlich, dass etwas passiert." Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton hatte am Samstag eine schnelle Lösung innerhalb von 72 Stunden gefordert, war aber dann zurückgerudert.

Millionengewinne vor Aktien-Einbruch

Zunächst wird an diesem Mittwoch Forgeard dem Finanzausschuss der französischen Nationalversammlung wegen seiner umstrittenen Aktienverkäufe vom März Rede und Antwort stehen. Der EADS-Co-Chef wird kritisiert, weil er vor dem Einbruch der EADS-Aktie vor knapp zwei Wochen infolge der A380-Lieferverzögerungen Millionengewinne mit seinen EADS-Aktienoptionen eingestrichen hatte. Forgeard bestreitet, damals von den Problemen bei Airbus gewusst zu haben.

DaimlerChrysler ist mit 22,5 Prozent größter Einzelaktionär bei EADS. Auf französischer Seite sind die Anteile der Mediengruppe Lagardère von 7,5 Prozent und die des französischen Staates (15 Prozent) gebündelt. (APA/dpa)

Links

Airbus

EADS
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Noël Forgeard spaltet die Gemüter in Deutschland und Frankreich.

Share if you care.